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Application Portfolio Rationalization

Apps konsolidieren: behalten, ersetzen, stilllegen oder modernisieren.

Application Portfolio Rationalization (auch: Application Portfolio Rationalization/Reduction) ist ein strukturierter Ansatz, um den gesamten Anwendungsbestand eines Unternehmens zu bewerten und zu bereinigen. Ziel ist, Apps zu konsolidieren: Anwendungen werden bewusst behalten, ersetzt, stillgelegt oder modernisiert, damit Kosten sinken, Risiken abnehmen und die IT besser zur Geschäftsstrategie passt.

Was bedeutet das konkret für kleine Unternehmen?

Viele kleine Unternehmen wachsen „tool-getrieben“: Ein CRM hier, ein Ticketsystem dort, dazu Excel-Lösungen, Branchen-Software und mehrere Cloud-Tools mit ähnlichen Funktionen. Das führt zu doppelten Lizenzkosten, Medienbrüchen (Daten werden manuell übertragen), Schatten-IT und Sicherheitslücken. Application Portfolio Rationalization schafft Transparenz und hilft, Entscheidungen nicht nach Bauchgefühl, sondern nach Nutzen, Risiko und Aufwand zu treffen.

Wie funktioniert Application Portfolio Rationalization? (typischer Prozess)

  • 1) Inventarisieren: Liste aller Anwendungen (inkl. Excel-Makros, Add-ons, „kleiner Tools“) mit Owner, Zweck, Nutzerzahl, Kosten, Laufzeitverträgen.
  • 2) Bewerten: Pro App Kriterien erfassen: Business-Mehrwert, technische Qualität, Sicherheits-/Compliance-Risiko (z. B. DSGVO), Integrationsfähigkeit, Support-Aufwand.
  • 3) Kategorisieren: Häufig genutzt wird das 4R/6R-Prinzip: Retain (behalten), Replace (ablösen), Retire (stilllegen), Rehost/Replatform/Refactor (modernisieren in unterschiedlicher Tiefe).
  • 4) Zielbild definieren: Welche Kernsysteme sollen künftig „System of Record“ sein (z. B. ERP/CRM), welche Tools sind nur Ergänzung?
  • 5) Roadmap umsetzen: Quick Wins (z. B. doppelte Tools kündigen), dann Migrationen (Daten, Schnittstellen, Schulungen), schließlich Abschaltung alter Systeme.

Beispiele aus der Praxis

  • Doppelte Funktionen: Ein Team nutzt Tool A für Aufgaben, ein anderes Tool B. Rationalisierung entscheidet: eines wird Standard, das andere wird stillgelegt – inkl. Datenexport und Prozessanpassung.
  • Legacy-Software: Eine alte On-Premise-Anwendung läuft nur auf einem veralteten Server. Entscheidung: ersetzen durch SaaS oder modernisieren (z. B. in die Cloud), um Ausfall- und Sicherheitsrisiken zu senken.
  • Insellösungen: Angebote werden in Word erstellt, Kundendaten im CRM gepflegt, Rechnungen im separaten Tool geschrieben. Rationalisierung priorisiert Integration/Automatisierung (z. B. über Automatisierung (Automation)) statt weiterer Einzeltools.

Warum ist das wichtig?

Für Geschäftsführer ist das Thema strategisch, weil es direkt auf Profitabilität (Lizenz- und Betriebskosten), Lieferfähigkeit (weniger Ausfälle), Skalierbarkeit (saubere Kernsysteme) und Risiko (Sicherheit/Compliance) einzahlt. Zusätzlich wird Digitalisierung einfacher: Wenn Daten und Prozesse konsistent sind, lassen sich neue Initiativen – etwa KI-gestützte Workflows oder Assistenten (z. B. AI Agents (KI-Agenten)) – viel schneller und sicherer umsetzen.

Typische Stolpersteine (und wie man sie vermeidet)

  • Nur auf Kosten schauen: Eine günstige App kann hohe Prozesskosten verursachen. Immer auch Zeitaufwand, Fehlerquoten und Integrationskosten bewerten.
  • „Wir schalten einfach ab“ ohne Migration: Datenaufbewahrung, Exportformate, Verantwortlichkeiten und Übergangsprozesse vorher klären.
  • Zu groß starten: Besser mit den Top-10-Kosten- oder Top-10-Risiko-Apps beginnen und daraus eine skalierbare Methode machen.

Merksatz: Application Portfolio Rationalization ist kein einmaliges Aufräumen, sondern ein wiederholbarer Management-Prozess, der die IT-Landschaft schlanker, sicherer und strategisch steuerbar macht.