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Business Glossary (Datenbegriffslexikon)

Gemeinsame Definitionen für KPIs und Begriffe (z.B. „aktiver Kunde“).

Ein Business Glossary (Datenbegriffslexikon) ist eine zentrale, für alle verständliche Sammlung verbindlicher Definitionen für Geschäftsbegriffe und KPIs (z. B. „aktiver Kunde“, „Umsatz“, „Churn“). Es sorgt dafür, dass alle Abteilungen dieselbe Sprache sprechen, Zahlen gleich berechnen und Reports konsistent interpretieren – ohne dass Sie dafür ein Data-Science-Team brauchen.

Was bedeutet „Business Glossary“ konkret?

In vielen KMU entstehen Missverständnisse nicht durch fehlende Daten, sondern durch unterschiedliche Bedeutungen: Vertrieb zählt „Kunden“ anders als Buchhaltung, Marketing nutzt andere Zeiträume, und im Reporting werden Filter oder Datenquellen nicht dokumentiert. Ein Business Glossary löst dieses Problem, indem es Begriffe standardisiert und nachvollziehbar macht.

Was steht typischerweise in einem Business Glossary?

  • Begriffsdefinition: Klarer, fachlicher Satz („Ein aktiver Kunde ist …“).
  • Berechnungslogik / Formel: Wie der KPI entsteht (z. B. „Aktiv = mindestens 1 Kauf in den letzten 90 Tagen“).
  • Gültigkeitsbereich: Für welche Länder, Kanäle, Produkte, Mandanten die Definition gilt.
  • Datenquellen: Welche Systeme/Tabellen genutzt werden (CRM, Shop, ERP).
  • Owner & Freigabe: Wer fachlich verantwortlich ist (z. B. Head of Sales) und wer Änderungen genehmigt.
  • Beispiele: Konkrete Fälle („Kunde A zählt als aktiv, Kunde B nicht“).
  • Synonyme/Abgrenzung: Unterschied zwischen ähnlichen Begriffen (z. B. „Umsatz“ vs. „Deckungsbeitrag“).

Wie funktioniert ein Business Glossary in der Praxis?

  • 1) Kritische Begriffe identifizieren: Starten Sie mit 10–20 KPIs, die in Management-Meetings regelmäßig diskutiert werden (z. B. Umsatz, Marge, Neukunden, Cashflow, Reklamationsquote).
  • 2) Definitionen gemeinsam festlegen: Fachbereiche einigen sich auf eine Version („Single Source of Truth“ für die Bedeutung – nicht zwingend für das System).
  • 3) Dokumentieren & versionieren: Jede Änderung bekommt Datum, Grund und Owner. So bleiben Reports über Zeit vergleichbar.
  • 4) Im Reporting verankern: Verlinken Sie Definitionen direkt in Dashboards/Reports oder in Ihrer Semantic Layer (falls vorhanden).
  • 5) Governance leichtgewichtig halten: Ein monatlicher Review-Termin reicht oft, um neue Begriffe sauber aufzunehmen.

Warum ist ein Business Glossary für KMU-Geschäftsführer wichtig?

Ein Glossary reduziert Abstimmungsaufwand, verhindert „Zahlen-Diskussionen“ und macht Entscheidungen schneller. Statt zu klären, was eine Kennzahl bedeutet, können Sie sich auf warum sie sich verändert und welche Maßnahme sinnvoll ist. Zusätzlich verbessert ein Glossary die Datenqualität, weil Unstimmigkeiten (z. B. doppelte Kundendefinitionen) sichtbar werden.

Beispiel: „Aktiver Kunde“ (typischer Konfliktfall)

Marketing definiert „aktiv“ als „Newsletter geöffnet“, Vertrieb als „letzter Kauf < 6 Monate“, Finance als „hat in diesem Geschäftsjahr Umsatz“. Ein Business Glossary legt eine verbindliche Definition fest (z. B. „mindestens 1 bezahlte Bestellung in den letzten 90 Tagen, ohne Storno“), dokumentiert Quelle und Filter – und alle Reports ziehen dieselbe Logik.

Abgrenzung: Business Glossary vs. Data Dictionary

Ein Business Glossary ist fachlich (Sprache des Geschäfts). Ein Data Dictionary ist technisch (Tabellen, Spalten, Datentypen). Beides ergänzt sich: Das Glossary erklärt, was „Umsatz“ bedeutet; das Dictionary zeigt, wo er im System steht. Verbunden mit Data Lineage (Datenherkunft) wird zusätzlich nachvollziehbar, wie Kennzahlen durch Pipelines und Transformationen entstehen.

Was kostet ein Business Glossary?

Die Tool-Kosten können bei 0 € starten (z. B. Google Docs/Notion/Confluence). Der eigentliche Aufwand liegt in der Abstimmung: Für ein KMU sind 1–3 Workshops plus laufende Pflege (z. B. 1–2 Stunden pro Monat) realistisch. Der ROI entsteht meist schnell durch weniger Reporting-Schleifen und klarere Steuerung.