Cloud Exit Strategy (Exit-Plan)
Eine Cloud Exit Strategy (Exit-Plan) ist ein vorab definierter Plan, wie ein Unternehmen seine Daten, Anwendungen und Workloads aus einer Cloud-Umgebung (oder von einem bestimmten Cloud-Provider) sicher, geordnet und mit kalkulierbarer Downtime in eine andere Zielumgebung migriert. Ziel ist, Abhängigkeiten zu reduzieren, Risiken zu kontrollieren und handlungsfähig zu bleiben – z. B. bei Preiserhöhungen, Compliance-Anforderungen oder Service-Problemen.
Was bedeutet „Exit-Plan“ im Cloud-Kontext?
„Exit“ heißt nicht zwingend „Cloud zurück ins Rechenzentrum“. Es kann auch bedeuten: Wechsel von Provider A zu Provider B, Wechsel von „Managed Service“ zu Eigenbetrieb, oder die Umstellung auf portablere Architekturen (z. B. Container). Der Exit-Plan beschreibt dafür technische Schritte, Verantwortlichkeiten, Zeitfenster, Kostenannahmen und Kriterien, wann ein Exit ausgelöst wird.
Wie funktioniert eine Cloud Exit Strategy (typischer Ablauf)?
- 1) Inventarisieren: Welche Systeme laufen in der Cloud (Datenbanken, Storage, Identitäten, Integrationen), welche Abhängigkeiten bestehen (APIs, proprietäre Services)?
- 2) Datenportabilität sichern: Exportformate, Datenmodelle, Verschlüsselung/Key-Management, Aufbewahrungsfristen und Löschkonzepte definieren.
- 3) Zielarchitektur festlegen: Alternative Provider, On-Prem oder Hybrid – inkl. Netzwerk, IAM, Monitoring, Backup/Restore.
- 4) Migrationspfade planen: Rehosting/Replatforming/Refactoring je Workload; Reihenfolge nach Kritikalität und Abhängigkeiten.
- 5) Testen & üben: Proof-of-Exit (Pilot), Wiederanlauf-Tests, Runbooks, Cutover-Plan und Rollback.
Warum ist eine Cloud Exit Strategy wichtig – gerade für kleine Unternehmen?
Kleine Unternehmen profitieren von Cloud-Speed, geraten aber schnell in Vendor Lock-in (Anbieterbindung), wenn zentrale Funktionen auf proprietären Diensten basieren (z. B. spezielle Datenbank-Features, Messaging, Identity oder Monitoring). Ein Exit-Plan schafft Verhandlungsmacht, senkt Geschäftsrisiken und hilft, Anforderungen wie DSGVO, Datenresidenz oder Branchenvorgaben einzuhalten. Er ist auch ein Sicherheitsnetz, falls ein Provider ausfällt, Konditionen ändert oder ein kritischer Dienst abgekündigt wird.
Was gehört in einen guten Exit-Plan (Checkliste)?
- Trigger & Entscheidungskriterien: z. B. Preissteigerung über X%, Compliance-Änderung, wiederholte SLA-Verletzungen.
- Datenstrategie: Export/Import-Prozesse, Datenklassifizierung, Verschlüsselung, Schlüsselhoheit, Löschung beim Altanbieter.
- Workload-Portabilität: Container/VMs, IaC-Templates, Abstraktionsschichten, Vermeidung unnötiger proprietärer Abhängigkeiten.
- Verträge & Rechte: Kündigungsfristen, Datenzugriffsrechte, Support im Exit, Kosten für Egress/Transfers, Audit-Rechte.
- Betrieb: Backup/Restore, Monitoring, Logging, Incident-Prozesse, Verantwortlichkeiten (intern/extern).
Beispiel aus der Praxis
Ein mittelständischer Onlinehändler betreibt Shop, Datenbank und Analytics in einer Public Cloud. Nach einer deutlichen Preiserhöhung für Managed Database und steigenden Egress-Kosten wird ein Exit erwogen. Der Exit-Plan sieht vor: Datenbank-Export in ein standardisiertes Format, paralleler Aufbau einer kompatiblen Datenbank beim Zielprovider, schrittweise Umleitung des Traffics (Blue/Green), und ein klarer Cutover-Termin außerhalb der Peak-Zeit. Durch vorherige Tests kann die Downtime auf wenige Minuten begrenzt werden.
Was kostet eine Cloud Exit Strategy?
Die Kosten hängen stark von Komplexität und Lock-in ab. Typische Kostentreiber sind Daten-Egress/Transfers, Anpassungen an proprietären Services, Testumgebungen, externe Beratung sowie paralleler Betrieb während der Migration. Viele Unternehmen starten pragmatisch mit einem „Proof-of-Exit“ für die kritischsten Systeme und erweitern den Plan iterativ.