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Egress-Kosten (Data Egress Fees)

Gebühren, wenn Daten aus der Cloud heraus übertragen werden.

Egress-Kosten (Data Egress Fees) sind Gebühren, die Cloud-Anbieter berechnen, wenn Daten aus ihrer Cloud „heraus“ übertragen werden – z. B. ins Internet, zu einem anderen Cloud-Anbieter oder zurück ins eigene Rechenzentrum. Für Unternehmen sind sie relevant, weil sie die laufenden Cloud-Kosten überraschend erhöhen können, obwohl Speicherung und Rechenleistung oft günstig wirken.

Was bedeutet „Egress“ genau?

„Ingress“ ist Datenverkehr in die Cloud hinein (oft kostenlos). „Egress“ ist Datenverkehr aus der Cloud heraus. Viele Provider bepreisen Egress pro übertragenem Gigabyte (GB) oder Terabyte (TB). Das kann besonders bei datenintensiven Anwendungen ins Gewicht fallen – etwa bei Backups, Medieninhalten, Datenanalysen oder KI-Projekten.

Wie funktionieren Egress-Kosten in der Praxis?

  • Schritt 1: Daten liegen in einem Cloud-Dienst (z. B. Objektspeicher, Datenbank, Fileserver).
  • Schritt 2: Ihre Anwendung oder Nutzer rufen Daten ab – etwa Downloads, API-Antworten, Reports, Log-Export.
  • Schritt 3: Der Provider misst, wohin die Daten gehen (Internet, andere Region, anderer Anbieter, On-Premise).
  • Schritt 4: Abrechnung nach Volumen und Ziel – häufig teurer bei „raus ins Internet“ oder „Cross-Region“.
  • Schritt 5: Zusätzliche Posten möglich (z. B. CDN-Transfer, Interconnect, Mindestabnahmen, Staffelpreise).

Warum sind Egress-Kosten für KMU wichtig?

Für KMU entstehen Egress-Kosten oft „nebenbei“: Man migriert Daten in die Cloud, baut ein SaaS-Setup auf – und später steigen die Ausgaben, weil Daten regelmäßig exportiert, synchronisiert oder an Kunden ausgeliefert werden. Egress ist außerdem ein typischer Treiber für Vendor Lock-in (Anbieterbindung): Der Wechsel zu einem anderen Anbieter wird teurer, wenn große Datenmengen herausgezogen werden müssen.

Gerade bei KI-Workloads können Egress-Kosten versteckt auftreten: Wenn Daten aus dem Cloud-Speicher in andere Systeme fließen (z. B. Analytics, Archiv, externe Tools) oder wenn Ergebnisse/Logs umfangreich exportiert werden. In RAG-Setups (z. B. RAG (Retrieval-Augmented Generation)) können außerdem Datenpipelines (Dokumente, Embeddings, Indizes) über mehrere Dienste verteilt sein – jede „Grenzüberschreitung“ kann Kosten auslösen.

Typische Beispiele (leicht greifbar)

  • Kunden-Downloads: Sie hosten Dateien in der Cloud und Kunden laden sie herunter → Daten gehen ins Internet → Egress.
  • Backups & Export: Monatlicher Export großer Datenbanken ins eigene Haus oder zu einem Backup-Anbieter → Egress.
  • Multi-Cloud: App läuft in Cloud A, Datenbank in Cloud B → Datenverkehr zwischen Anbietern → oft kostenpflichtig.
  • Regionenwechsel: Daten werden von EU-Region in US-Region repliziert → Cross-Region-Egress.

Was kostet das – und wovon hängt es ab?

Konkrete Preise variieren je Anbieter, Region und Produkt, daher lohnt ein Blick in den Preisrechner des Providers. Typisch ist eine Abrechnung pro GB/TB, teils mit Freikontingenten oder Staffelpreisen. Kostentreiber sind vor allem: Datenvolumen, Häufigkeit der Transfers, Ziel (Internet vs. gleiche Region), Architektur (CDN, Caching, Replikation) und ob Sie Daten regelmäßig „herausziehen“ (z. B. für Reports, Integrationen oder Migrationen).

Wie lassen sich Egress-Kosten reduzieren?

  • Daten nahe am Verbrauch halten: Compute und Daten in derselben Region/Cloud betreiben.
  • Caching & CDN nutzen: Häufig abgerufene Inhalte zwischenspeichern, statt immer aus dem Ursprung zu liefern.
  • Exporte bündeln: Weniger häufig, dafür gezielt – und nur benötigte Daten übertragen.
  • Architektur prüfen: Vermeiden, dass Systeme unnötig „hin und her“ synchronisieren.
  • Verträge/Commitments vergleichen: Bei planbaren Volumina können Rabatte möglich sein.

Unterm Strich: Egress-Kosten sind kein „technisches Detail“, sondern ein echter Budgethebel – und sollten bei Cloud-Auswahl, Vertragsverhandlung und Systemdesign früh mitgedacht werden.