Enterprise Architect (EA) – Rolle
Ein Enterprise Architect (EA) ist eine strategische IT-Rolle, die die Gesamtarchitektur eines Unternehmens steuert: Zielbilder (Target Architecture), Standards, Prinzipien und Roadmaps. Ziel ist, dass Prozesse, Anwendungen, Daten und Infrastruktur zusammenpassen – und dass Investitionen in IT planbar, sicher und skalierbar bleiben, auch wenn externe Dienstleister die Umsetzung übernehmen.
Was bedeutet „Enterprise Architecture“ in der Praxis?
Enterprise Architecture beschreibt das „Bauplan“-Denken für die gesamte Organisation: Welche Fähigkeiten (z. B. Vertrieb, Service, Finance) braucht das Unternehmen, welche Systeme unterstützen diese, wie fließen Daten, und welche technischen Leitplanken gelten? Der EA sorgt dafür, dass einzelne Projekte nicht isoliert optimieren, sondern in ein Gesamtbild einzahlen.
Wie funktioniert die Arbeit eines Enterprise Architects?
- Ist-Analyse: Überblick über Anwendungen, Schnittstellen, Datenflüsse, Cloud-/On-Prem-Setup, Sicherheits- und Compliance-Anforderungen.
- Zielbild definieren: Architekturprinzipien (z. B. „API-first“, „Cloud-where-sensible“, „Single Source of Truth“) und Referenzarchitekturen festlegen.
- Standards & Governance: Technologie-Standards (z. B. Identity, Integration, Datenplattform), Dokumentations- und Entscheidungsprozesse etablieren.
- Roadmap & Portfolio: Mehrjahres-Roadmap erstellen, Abhängigkeiten sichtbar machen, Prioritäten mit Business-Zielen und Budget verbinden.
- Review & Enablement: Projekt- und Anbieter-Architekturen prüfen, Risiken (Security, Kosten, Vendor Lock-in) bewerten und Teams/Partner befähigen.
Wofür brauchen Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung einen EA?
Gerade ohne internes IT-Kernteam entsteht schnell ein „Tool-Zoo“: unterschiedliche SaaS-Lösungen, uneinheitliche Daten, Schatten-IT und steigende Integrationskosten. Ein EA wirkt als neutraler „Generalunternehmer für Architektur“: Er übersetzt Geschäftsziele in eine belastbare IT-Landkarte, definiert Standards für Dienstleister und verhindert teure Fehlentscheidungen (z. B. doppelte Systeme, unsichere Schnittstellen, unklare Verantwortlichkeiten).
Beispiele typischer EA-Entscheidungen
- Integrationsstrategie: Punkt-zu-Punkt vs. iPaaS/Workflow-Automation (z. B. n8n), API-Gateway, Daten-Synchronisation.
- Daten & Reporting: Master-Data-Konzept, Data Warehouse/BI, Datenqualität und Verantwortlichkeiten.
- Cloud & Security: Identity & Access Management, Netzwerkzonen, Backup/DR, Zero-Trust-Grundsätze.
- KI-Einführung: Auswahl von ChatGPT/Large Language Model (LLM)-Anbietern, Governance mit AI Governance, Umgang mit Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI und Risiken wie Halluzinationen (Hallucinations).
Abgrenzung zu CTO, Solution Architect & IT-Beratung
Der EA arbeitet stärker unternehmensweit und langfristig als ein Solution Architect (der meist eine konkrete Lösung für ein Projekt entwirft). Ein CTO trägt häufig die Gesamtverantwortung für Technologie und Teamführung; der EA liefert dafür die Architektur-Leitplanken und Roadmaps. Klassische IT-Beratung ist oft projektbezogen – der EA sorgt dafür, dass Projekte konsistent bleiben und ein wiederverwendbares Architektur-Fundament entsteht.
Was kostet ein Enterprise Architect?
Die Kosten hängen stark von Umfang, Reifegrad und Regulierungsdruck ab. Häufige Modelle sind: interim/fractional (z. B. 2–6 Tage/Monat) für Zielbild, Standards und Reviews, oder projektbasiert (z. B. Architektur-Roadmap, Cloud-Blueprint, Integrationskonzept). Kostentreiber sind Systemlandschaft-Komplexität, Anzahl Anbieter, Security/Compliance (z. B. DSGVO, NIS2) und notwendige Dokumentation.