EU Data Act (EU-Datenverordnung)
Der EU Data Act (EU-Datenverordnung) ist ein EU-Regelwerk, das festlegt, wer Daten aus vernetzten Produkten und IoT-Diensten nutzen und darauf zugreifen darf. Ziel ist, Daten fairer zu teilen, Anbieterabhängigkeiten zu reduzieren und Innovation zu fördern – ohne Datenschutzregeln wie die DSGVO zu ersetzen.
Was ist der EU Data Act (EU-Datenverordnung)?
Der EU Data Act schafft Rechte und Pflichten rund um Daten, die bei der Nutzung vernetzter Produkte entstehen (z. B. Maschinen, Fahrzeuge, Smart-Meter, Industrieanlagen). Im Kern soll der Nutzer (Kunde/Betreiber) leichter an „seine“ Nutzungsdaten kommen und diese auch an Dritte weitergeben können – etwa an Wartungsdienstleister, Analytics-Anbieter oder Software-Partner. Gleichzeitig setzt die Verordnung Leitplanken für Vertragsklauseln, Datenweitergabe und den Umgang mit Wechselbarrieren (Vendor Lock-in).
Was bedeutet das für KMU-Geschäftsführer?
Für viele KMU ist der Data Act vor allem ein Hebel, um Daten aus Geräten und Systemen endlich wirtschaftlich nutzbar zu machen: Sie können Datenzugang vertraglich und technisch einfordern, Daten in eigene BI-/Reporting-Setups integrieren und Anbieterwechsel besser vorbereiten. Wichtig: Der Data Act ist kein „Freifahrtschein“ für personenbezogene Daten. Sobald Personenbezug im Spiel ist, greifen weiterhin DSGVO-Pflichten (z. B. Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Datensicherheit) – siehe Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI.
Wie funktioniert der EU Data Act? (vereinfacht in 5 Schritten)
- 1) Daten entstehen am vernetzten Produkt: z. B. Betriebsstunden, Sensordaten, Fehlercodes, Energieverbrauch.
- 2) Nutzer erhält Anspruch auf Zugang: Daten sollen „leicht, sicher, in einem gängigen Format“ bereitgestellt werden (je nach Fall direkt oder über den Hersteller/Anbieter).
- 3) Nutzer kann Daten teilen: Auf Wunsch kann ein Dritter (z. B. Servicepartner) Zugriff bekommen, um Services zu erbringen.
- 4) Schutz von Geschäftsgeheimnissen & Sicherheit: Weitergabe darf nicht beliebig sein; es gibt Schutzmechanismen und Bedingungen.
- 5) Fairness & Wechsel: Vertragsklauseln sollen fair sein; zusätzlich adressiert der Data Act Hürden beim Wechsel von Cloud-/Datenverarbeitungsdiensten (weniger Lock-in).
Warum ist der EU Data Act wichtig? (Praxisbeispiele)
- Predictive Maintenance: Ein Maschinenbauer oder Betreiber kann Sensordaten an einen Wartungsdienstleister geben, um Ausfälle zu reduzieren und Ersatzteile besser zu planen.
- Transparente Kosten- und Energieanalysen: Smart-Meter- oder Produktionsdaten fließen in Reporting/Kennzahlen, um Energiefresser zu identifizieren.
- Bessere Verhandlungsposition: Wenn ein Hersteller Daten „einsperrt“, können Sie sich auf klare Regeln berufen und Datenzugang als Vertragsbestandteil durchsetzen.
- Mehr Wettbewerb bei Software & Analytics: Sie können leichter Tools wechseln oder spezialisierte Anbieter nutzen, statt im Ökosystem eines Herstellers zu bleiben (Stichwort Vendor Lock-in (Anbieterbindung)).
Was sollten KMU jetzt konkret tun?
- Dateninventar erstellen: Welche vernetzten Produkte nutzen Sie? Welche Daten wären für Umsatz, Qualität, Service, Kosten relevant?
- Verträge prüfen: Stehen Datenzugang, Exportformate, Schnittstellen (APIs) und Nutzungsrechte klar drin?
- Technische Anschlussfähigkeit planen: Definieren Sie, wohin Daten fließen sollen (z. B. Data Warehouse/BI) und wer Zugriff bekommt.
- Governance & Sicherheit: Regeln Sie Rollen, Zugriffe, Protokollierung und ggf. Auftragsverarbeitung (AVV/DPA) – siehe Data Processing Agreement (DPA/AVV).
Hinweis: Der EU Data Act ist ein rechtlicher Rahmen. Ob und wie Sie Ansprüche durchsetzen können, hängt vom konkreten Gerät, Vertrag, Datentyp (personenbezogen/nicht personenbezogen) und der Umsetzung durch Anbieter ab.