EUCS (EU Cloud Services Scheme)
EUCS (EU Cloud Services Scheme) ist ein geplantes EU-weites Zertifizierungsschema, das Cloud-Dienste (z. B. IaaS, PaaS, SaaS) nach klar definierten Sicherheitsniveaus bewertet. Ziel ist, dass Unternehmen Cloud-Angebote leichter vergleichen können – ähnlich wie ein „Sicherheits-TÜV“ – und dass Anbieter nachweisbar bestimmte Anforderungen an Schutz, Prozesse und Kontrollen erfüllen.
Was bedeutet EUCS konkret?
EUCS steht für „EU Cloud Services Scheme“ und ist Teil des EU-Ansatzes, Cybersecurity-Zertifizierungen zu harmonisieren. Für KMU ist das vor allem dann relevant, wenn sensible Daten in die Cloud wandern (Kundendaten, Finanzdaten, Entwicklungsunterlagen) oder wenn Kunden/Partner Nachweise zu Cloud-Sicherheit verlangen. Ein EUCS-Zertifikat soll ein standardisiertes Signal liefern: „Dieser Cloud-Dienst erfüllt definierte Sicherheitsanforderungen.“
Wie funktioniert EUCS (vereinfacht)?
Die Idee ist, Cloud-Services in Sicherheitsstufen einzuordnen und die Einhaltung durch Audits/Prüfungen nachzuweisen. Typischerweise umfasst das:
- Festgelegte Anforderungen (z. B. Identity & Access Management, Verschlüsselung, Logging, Incident Response, Lieferkettensicherheit).
- Nachweise & Dokumentation durch den Anbieter (Policies, technische Kontrollen, Betriebsprozesse).
- Prüfung/Audit durch unabhängige Stellen nach einheitlichen Kriterien.
- Zertifikat/Label für einen konkreten Cloud-Dienst (nicht nur für das Unternehmen als Ganzes).
Wichtig: EUCS ist (je nach finaler Ausgestaltung) nicht automatisch gleichbedeutend mit „DSGVO-konform“. Datenschutz und Informationssicherheit hängen zusammen, sind aber unterschiedliche Themen. Für Datenschutz-Fragen bleibt z. B. die Prüfung von AVV/DPA, TOMs und Datenflüssen zentral (siehe Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI und Data Processing Agreement (DPA/AVV)).
Warum ist EUCS für KMU-Geschäftsführer wichtig?
- Weniger Risiko bei der Anbieterauswahl: Statt Marketing-Versprechen („enterprise-grade security“) bekommen Sie vergleichbare Kriterien.
- Einfachere Compliance-Kommunikation: Bei Ausschreibungen oder Kunden-Audits kann ein Zertifikat die Due-Diligence beschleunigen.
- Planungssicherheit: Wenn EUCS sich etabliert, wird es für bestimmte Branchen/Use Cases zum erwarteten Standard (z. B. regulierte Daten, kritische Lieferketten).
- Stärkung von Datenstandort- und Souveränitätsanforderungen: EUCS wird häufig im Kontext von Datenresidenz und europäischer Cloud diskutiert (siehe Data Residency (Datenresidenz) und Data Sovereignty (Datensouveränität)).
Praxisbeispiel: Was ändert EUCS an Ihrer Cloud-Entscheidung?
Angenommen, Sie nutzen ein SaaS für CRM oder HR: Mit EUCS könnten Sie künftig gezielt nach einem zertifizierten Service in einem passenden Sicherheitsniveau fragen. Das hilft besonders, wenn Sie intern eine AI Governance- oder IT-Governance aufbauen und „harte“ Kriterien für Tool-Freigaben definieren (z. B. für KI-Tools oder Integrationen, die Daten verarbeiten).
Was kostet EUCS – und wer zahlt?
Die Kosten entstehen primär beim Cloud-Anbieter (Audit, Implementierung von Kontrollen, laufende Nachweise). Indirekt kann sich das in Preisen widerspiegeln – dafür sinken auf Kundenseite oft Aufwand und Risiko in der Lieferantenprüfung. Für KMU ist der wichtigste „Kostenpunkt“ meist nicht das Zertifikat selbst, sondern die Entscheidung, welche Daten/Workloads in welche Cloud gehören und welche Sicherheitsstufe dafür angemessen ist.
Merksatz: EUCS soll Cloud-Sicherheit in Europa vergleichbarer und überprüfbarer machen – und damit Beschaffung, Risiko-Management und Vertrauen in Cloud-Services verbessern.