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Exit-Readiness (Cloud/SaaS)

Vorbereitung, Anbieter wechseln zu können: Datenexport, Verträge, Prozesse.

Exit-Readiness (Cloud/SaaS) bedeutet, dass Ihr Unternehmen jederzeit in der Lage ist, einen Cloud- oder SaaS-Anbieter geordnet zu verlassen und zu einem anderen Anbieter zu wechseln – ohne Datenverlust, lange Ausfallzeiten oder rechtliche Überraschungen. Dazu gehören vor allem ein sauber geplanter Datenexport, klare Vertragsklauseln (z. B. Kündigung, Unterstützung beim Wechsel) und definierte Prozesse für Betrieb, Sicherheit und Nutzerverwaltung.

Was bedeutet Exit-Readiness konkret?

Viele KMU nutzen heute Software-as-a-Service für CRM, Buchhaltung, E-Mail, Projektmanagement oder auch KI-Tools. Das ist bequem – kann aber riskant werden, wenn Preise steigen, Funktionen wegfallen, der Support nachlässt oder Compliance-Anforderungen (z. B. Datenstandort) sich ändern. Exit-Readiness ist die „Wechsel-Fähigkeit“: Sie stellt sicher, dass Sie nicht in eine ungewollte Abhängigkeit geraten (siehe auch Vendor Lock-in).

Wie funktioniert Exit-Readiness (praktisch) – die wichtigsten Bausteine

  • Datenexport & Portabilität: Können Sie Ihre Daten vollständig exportieren (Kunden, Dokumente, Logs, Konfigurationen)? In welchem Format (CSV/JSON/PDF)? Gibt es APIs, und sind sie ausreichend dokumentiert?
  • Verträge & Rechte: Kündigungsfristen, Laufzeiten, Preisanpassungen, Exit-Unterstützung, Herausgabeformate, Löschfristen und Nachweise (z. B. Löschbestätigung). Wichtig ist auch der DPA/AVV (Auftragsverarbeitung) – siehe Data Processing Agreement (DPA/AVV).
  • Prozesse & Verantwortlichkeiten: Wer löst den Exit aus, wer kommuniziert intern, wer migriert Daten, wer testet? Ohne klare Rollen wird ein Anbieterwechsel schnell chaotisch.
  • Identitäten, Zugänge, Abhängigkeiten: Single Sign-on, Benutzerrollen, Berechtigungen, Integrationen (z. B. Buchhaltung ↔ CRM), Automationen und Schnittstellen müssen dokumentiert sein – sonst „hängt“ der neue Anbieter am alten.
  • Business Continuity: Plan für Parallelbetrieb, Cutover-Termin, Fallback und definierte maximale Ausfallzeit. Hier spielen auch SLA-Fragen hinein (siehe SLA & SLO (Service Level Objectives)).

Beispiel aus dem KMU-Alltag

Sie nutzen ein SaaS-CRM. Nach zwei Jahren steigen die Kosten deutlich, und wichtige Exportfunktionen sind nur im Enterprise-Tarif enthalten. Mit Exit-Readiness hätten Sie bereits vorher geprüft, ob ein vollständiger Export möglich ist (inkl. Notizen, Anhänge, Aktivitäten), ob API-Limits den Export ausbremsen und ob der Vertrag eine Exit-Unterstützung regelt. Ergebnis: Sie können innerhalb weniger Wochen sauber migrieren – statt Monate zu verlieren oder Daten zu opfern.

Warum ist Exit-Readiness wichtig?

  • Risikoreduktion: Schutz vor Preissprüngen, Produktänderungen, Anbieterproblemen oder Compliance-Risiken.
  • Verhandlungsmacht: Wenn ein Wechsel realistisch ist, sind Anbieter oft kompromissbereiter.
  • Planbarkeit: Weniger Betriebsunterbrechung, klarere Kosten und weniger Stress im Ernstfall.

Was kostet Exit-Readiness?

Die Kosten hängen stark von Komplexität und Kritikalität ab. Typische Treiber sind: Anzahl der Systeme/Integrationen, Datenvolumen, benötigte Tests und ob Sie Migrationen automatisieren. Oft ist Exit-Readiness eher laufende Disziplin (Dokumentation, Export-Tests, Vertragscheck) als ein einmaliges Projekt – und deutlich günstiger als eine „Panik-Migration“ unter Zeitdruck.

Mini-Checkliste (kurz)

  • Gibt es einen getesteten Datenexport (inkl. Anhänge & Historie)?
  • Sind Kündigungsfristen, Exit-Support und Lösch-/Aufbewahrungsregeln klar geregelt?
  • Sind Integrationen, Rollen/Berechtigungen und Prozesse dokumentiert?
  • Gibt es einen Migrations- und Cutover-Plan inkl. Fallback?