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Ground Truth

Verifizierte Referenzwerte zur Bewertung von Ergebnissen (z.B. Extraktion).

Ground Truth ("Referenzwahrheit") sind verifizierte, als korrekt bestätigte Referenzwerte, mit denen man Ergebnisse aus Automatisierung, Datenverarbeitung oder KI-Systemen objektiv prüfen kann. Sie dienen als "Messlatte" – z. B. um zu bewerten, ob eine automatische Datenextraktion aus Rechnungen wirklich die richtigen Beträge, Lieferanten und Zahlungsziele erkannt hat.

Was bedeutet Ground Truth im Prozess- und Automatisierungskontext?

In wachsenden KMU entstehen viele Automatisierungsfälle: Belege werden per OCR erfasst, Support-Tickets automatisch klassifiziert oder E-Mails in Workflows überführt. Damit diese Automatisierung zuverlässig skaliert, braucht es eine klare Referenz: Was wäre das richtige Ergebnis gewesen? Genau das ist die Ground Truth – typischerweise erstellt oder freigegeben durch Menschen, verlässliche Quellsysteme (z. B. ERP/CRM) oder geprüfte Datensätze.

Wichtig: Ground Truth ist nicht einfach "irgendein Label". Sie ist möglichst fehlerarm, dokumentiert und konsistent – sonst bewertet man das System gegen einen wackeligen Standard und zieht falsche Schlüsse.

Wie funktioniert Ground Truth? (typischer Ablauf)

  • 1) Ziel definieren: Welche Ausgabe soll bewertet werden? (z. B. "Rechnungsbetrag", "IBAN", "Kategorie" oder "Antwortqualität").
  • 2) Referenz festlegen: Was gilt als korrekt? Quelle kann ein freigegebener Datensatz, ein Golden Record oder ein manuell geprüftes Ergebnis sein (siehe auch Golden Dataset).
  • 3) Daten labeln/prüfen: Menschen validieren Stichproben oder komplette Datensätze (siehe Human-in-the-Loop (HITL) und Data Labeling (Datenlabeling)).
  • 4) Systemausgabe vergleichen: Automatisierte Ergebnisse werden gegen die Ground Truth gematcht – Feld für Feld oder per Qualitätskriterien.
  • 5) Metriken ableiten & verbessern: Aus Abweichungen entstehen Kennzahlen (Accuracy, F1 etc.) und konkrete Optimierungen, z. B. Prompt-Anpassungen oder bessere Extraktionsregeln (siehe Evaluation (Eval) & Benchmarking und Model Evaluation Metrics (z.B. Accuracy, F1, Faithfulness)).

Beispiele aus der Praxis (KMU)

Warum ist Ground Truth wichtig?

Ohne Ground Truth bleibt Qualität Bauchgefühl: "Fühlt sich gut an" ersetzt keine belastbare Steuerung. Mit Ground Truth können Teams Automatisierungen sicher ausrollen, Regressionen erkennen (z. B. nach Prompt-Änderungen) und Risiken reduzieren – besonders relevant bei Compliance, Abrechnung oder Kundensupport. Außerdem ist sie die Grundlage für sinnvolles Monitoring und kontinuierliche Verbesserung (siehe Model Monitoring & Observability (LLMOps)).

Typische Stolperfallen

  • Uneinheitliche Labels: Zwei Mitarbeitende bewerten denselben Fall unterschiedlich – das macht die Referenz unscharf.
  • Veraltete Ground Truth: Prozesse ändern sich (neue Preislogik, neue Produktnamen), die Referenz nicht.
  • Bias in der Referenz: Wenn die Ground Truth systematisch Fehler enthält, optimiert man das System in die falsche Richtung.

Merksatz: Ground Truth ist der geprüfte Realitäts-Standard, gegen den Automatisierung messbar wird – und damit ein zentraler Baustein, damit Prozesse nicht nur schneller, sondern auch zuverlässig skalieren.