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Incident Response Plan (IRP)

Notfallplan für Sicherheitsvorfälle: Rollen, Schritte, Kommunikation, Forensik.

Ein Incident Response Plan (IRP) ist ein schriftlich festgelegter Notfallplan, der beschreibt, wie ein Unternehmen auf IT-Sicherheitsvorfälle (z. B. Ransomware, Phishing, Datenabfluss) reagiert. Er definiert Rollen, Entscheidungswege, konkrete Schritte zur Eindämmung und Wiederherstellung sowie Kommunikations- und Dokumentationspflichten – besonders wichtig für KMU in Deutschland im Kontext von DSGVO und Compliance.

Was bedeutet Incident Response Plan (IRP)?

„Incident Response“ bedeutet „Reaktion auf Sicherheitsvorfälle“. Ein IRP ist damit die praktische Handlungsanleitung, um im Ernstfall nicht zu improvisieren: Wer macht was, wann, womit – und wie wird der Vorfall intern, gegenüber Dienstleistern und ggf. Behörden sauber gemeldet und dokumentiert.

Wie funktioniert ein Incident Response Plan (IRP) in der Praxis?

Ein wirksamer IRP ist meist als Ablaufplan plus Checklisten aufgebaut. Typische Phasen sind:

  • Vorbereitung: Kontaktliste (IT, Geschäftsführung, Datenschutzbeauftragte/r, externer IT-Dienstleister, Rechtsberatung), Zugänge zu Tools, Notfall-Accounts, Backups, Schulungen, Meldewege.
  • Erkennung & Ersteinschätzung: Was ist passiert (z. B. kompromittiertes Konto, verdächtige Logins, Verschlüsselung)? Welche Systeme/Daten sind betroffen? Kritikalität einstufen.
  • Eindämmung (Containment): Betroffene Geräte isolieren, Passwörter/Keys rotieren, Zugänge sperren, schädliche Kommunikation blocken – ohne Beweise zu zerstören.
  • Forensik & Analyse: Logs sichern, Zeitlinie erstellen, Ursache finden (Initial Access), Umfang des Schadens bestimmen. Für KMU oft mit externer Forensik sinnvoll.
  • Beseitigung & Wiederherstellung: Systeme bereinigen/neu aufsetzen, Backups kontrolliert einspielen, Monitoring erhöhen, schrittweise Wiederinbetriebnahme.
  • Nachbereitung: Lessons Learned, Maßnahmenplan, Anpassung von Kontrollen (z. B. MFA, Patch-Management), Nachweise für Audits/Versicherer.

Warum ist ein IRP für KMU (Deutschland) wichtig?

Ohne Plan kosten Vorfälle meist mehr: längere Ausfallzeiten, höhere Wiederherstellungskosten und mehr Reputationsschaden. Zusätzlich entstehen rechtliche Pflichten: Wenn personenbezogene Daten betroffen sein könnten, müssen Unternehmen nach DSGVO prüfen, ob eine Meldung an die Aufsichtsbehörde erforderlich ist (typisch innerhalb von 72 Stunden nach Bekanntwerden) und ob Betroffene informiert werden müssen. Ein IRP hilft, diese Entscheidungen schnell, nachvollziehbar und dokumentiert zu treffen.

Konkrete Beispiele, die ein IRP abdecken sollte

  • Phishing & Kontoübernahme: Mailbox-Regeln prüfen, Tokens widerrufen, MFA erzwingen, Kundenwarnung vorbereiten.
  • Ransomware: Netzwerksegment isolieren, Backup-Integrität prüfen, Wiederanlaufplan priorisieren (ERP, Mail, Fileserver).
  • Datenabfluss (z. B. falsch freigegebener Cloud-Ordner): Freigaben schließen, Zugriffshistorie sichern, Risiko für Betroffene bewerten.

Was gehört in einen guten IRP (Checkliste)

  • Rollen & Verantwortlichkeiten: Incident Lead, IT, Kommunikation, Datenschutz, Geschäftsführung; Vertretungen und Erreichbarkeit.
  • Kommunikationsplan: Interne Information, Abstimmung mit IT-Dienstleister/Provider, Vorlagen für Kunden/Partner, „Do’s & Don’ts“ (keine Schuldzuweisungen, keine Details ohne Freigabe).
  • Entscheidungshilfen: Kriterien für „kritischer Incident“, wann Systeme offline genommen werden, wann externe Forensik/Anwälte eingeschaltet werden.
  • Dokumentation: Incident-Ticket, Zeitstempel, Maßnahmen, Beweise, Risikoabwägung – wichtig für DSGVO-Nachweis und Versicherungen.

Was kostet ein Incident Response Plan (IRP)?

Für KMU hängen die Kosten stark von Größe, Komplexität und vorhandener Dokumentation ab. Grob reicht die Spanne von „intern erstellt“ (Zeitaufwand) bis zu extern unterstützten Paketen (Workshops, Vorlagen, Tabletop-Übung, Abstimmung mit Datenschutz/IT-Dienstleistern). Wichtig ist weniger Perfektion als Aktualität: Ein schlanker IRP, der geübt wurde, ist besser als ein dicker Ordner, den niemand kennt.

Tipp: Ergänzend lohnt sich ein spezieller AI Incident Response (KI-Incident-Management), wenn im Unternehmen KI-Tools, ChatGPT oder andere Generative KI (Generative AI) produktiv eingesetzt werden (z. B. wegen Prompt-/Datenabfluss oder Fehlkonfigurationen).