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ISO/IEC 27001

Internationaler Standard für ISMS: Anforderungen, Audits, Zertifizierung.

ISO/IEC 27001 ist ein internationaler Standard für ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS). Er legt Anforderungen fest, wie Unternehmen Informationssicherheit systematisch planen, umsetzen, überwachen und kontinuierlich verbessern – inklusive interner/externer Audits und einer möglichen Zertifizierung durch eine akkreditierte Stelle.

Was bedeutet ISO/IEC 27001 konkret?

ISO/IEC 27001 beschreibt nicht „ein einzelnes Sicherheits-Tool“, sondern ein Managementsystem: Rollen, Prozesse, Regeln und Nachweise, mit denen Risiken für Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen beherrscht werden. Im Kern fordert der Standard, dass Sie Sicherheitsrisiken methodisch bewerten, passende Maßnahmen auswählen, Verantwortlichkeiten festlegen und die Wirksamkeit regelmäßig prüfen.

Wie funktioniert ISO/IEC 27001 in der Praxis? (Ablauf für KMU)

  • 1) Geltungsbereich festlegen: Welche Standorte, Systeme, Prozesse und Daten sind im ISMS enthalten (z. B. „Office-IT + Cloud-CRM + Kundendaten“)?
  • 2) Kontext & Anforderungen verstehen: Relevante Stakeholder, gesetzliche Pflichten (z. B. DSGVO), Kundenanforderungen und Lieferkettenrisiken erfassen.
  • 3) Risikoanalyse durchführen: Bedrohungen (Phishing, Ransomware, Fehlkonfigurationen), Schwachstellen und Auswirkungen bewerten; Risikobehandlung planen.
  • 4) Controls umsetzen: Maßnahmen aus „Annex A“ (z. B. Zugriffskontrolle, Backup, Incident Response, Lieferantenmanagement) auswählen und dokumentieren.
  • 5) Dokumentation & Nachweise: Richtlinien, Prozesse, Schulungen, Tickets, Protokolle, Asset-Liste, Berechtigungsreviews – wichtig für Audits.
  • 6) Interne Audits & Managementbewertung: Regelmäßig prüfen, ob das ISMS funktioniert, und Verbesserungen beschließen.
  • 7) Zertifizierung (optional): Externes Audit in Stufe 1 (Dokumente) und Stufe 2 (Wirksamkeit in der Praxis); danach Überwachungsaudits.

Warum ist ISO/IEC 27001 wichtig – besonders für kleine Unternehmen?

Für KMU ist ISO/IEC 27001 oft ein „Vertrauens- und Strukturhebel“: Sie schaffen klare Zuständigkeiten, reduzieren Sicherheitsvorfälle und können Anforderungen von Kunden, Konzernen oder öffentlichen Auftraggebern leichter erfüllen. Häufig ist die Zertifizierung ein Ausschreibungs- oder Lieferantenkriterium („ISO 27001 required“) und kann den Vertrieb beschleunigen.

Auch im Datenschutz hilft ein ISMS indirekt: Die DSGVO verlangt „geeignete technische und organisatorische Maßnahmen“ (TOM) und Sicherheit der Verarbeitung. ISO/IEC 27001 ist zwar kein DSGVO-Zertifikat, liefert aber einen anerkannten Rahmen, um Sicherheitsmaßnahmen nachvollziehbar zu steuern und zu belegen.

Typische Beispiele für ISO-27001-Maßnahmen im KMU-Alltag

  • Zugriffsschutz: MFA für E-Mail/Cloud, Rollen- und Berechtigungskonzepte, regelmäßige Rezertifizierung von Accounts.
  • Backup & Wiederherstellung: 3-2-1-Backup, Restore-Tests, definierte RTO/RPO.
  • Incident Management: Meldewege, Playbooks (z. B. bei Ransomware), Lessons Learned.
  • Lieferanten/Cloud: Sicherheitsanforderungen, AV-Verträge, regelmäßige Reviews kritischer Dienstleister.
  • Awareness: Schulungen gegen Phishing, klare Regeln für mobile Geräte und Homeoffice.

Was kostet ISO/IEC 27001?

Die Kosten hängen stark von Umfang, Reifegrad und Zertifizierungsziel ab. Für KMU entstehen typischerweise (a) interne Aufwände für Aufbau/Umsetzung, (b) ggf. Beratung/Tooling und (c) Auditkosten der Zertifizierungsstelle. Als grobe Orientierung: Auditkosten liegen häufig im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich über den Zertifizierungszyklus, dazu kommen Implementierungsaufwände, die je nach Ausgangslage deutlich variieren.

Tipp: Wenn Sie KI-Systeme oder KI-Tools steuern möchten, kann ISO/IEC 27001 die Sicherheitsbasis liefern; für Governance-Aspekte rund um KI passt ergänzend AI Governance oder ISO/IEC 42001.