IT-Kostenmodell (CapEx vs. OpEx)
Ein IT-Kostenmodell (CapEx vs. OpEx) beschreibt, ob IT-Ausgaben als Investitionskosten (CapEx) oder als laufende Betriebskosten (OpEx) geplant, bilanziert und gesteuert werden. Es hilft Unternehmen, Cloud- und Outsourcing-Entscheidungen wirtschaftlich zu bewerten – z. B. ob der Kauf eigener Server (CapEx) oder die Nutzung von Cloud-Services/Managed Services als monatliche Gebühr (OpEx) besser zur Strategie, Liquidität und Risikolage passt.
Was bedeutet CapEx und OpEx in der IT?
- CapEx (Capital Expenditures / Investitionsausgaben): Einmalige oder seltene größere Anschaffungen, die als Vermögenswert aktiviert und über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Typisch: Server, Storage, Netzwerk-Hardware, On-Premise-Lizenzen, Rechenzentrumsaufbau.
- OpEx (Operating Expenditures / Betriebsausgaben): Laufende Kosten, die periodisch anfallen und direkt als Aufwand verbucht werden. Typisch: Cloud-Abos (IaaS/PaaS/SaaS), nutzungsbasierte Gebühren, Wartungsverträge, Support, Managed-Service-Pauschalen.
Wie funktioniert ein IT-Kostenmodell in der Praxis?
Ein gutes Kostenmodell betrachtet nicht nur „Preis pro Monat“, sondern die Gesamtkosten und Risiken über einen Zeitraum (z. B. 3–5 Jahre). Häufig läuft das in Schritten ab:
- 1) Scope festlegen: Welche Systeme/Workloads (E-Mail, ERP, Fileserver, KI-Workloads etc.) werden betrachtet?
- 2) Kostenarten sammeln: Einmalige Kosten (Setup, Migration), laufende Kosten (Lizenzen, Cloud-Nutzung), Personal/Externe, Security/Compliance, Backup/DR, Netzwerk.
- 3) Zuordnung CapEx vs. OpEx: Was wird aktiviert/abgeschrieben, was ist laufender Aufwand?
- 4) Vergleichsrechnung: Szenarien gegenüberstellen (On-Prem, Cloud, Outsourcing/Managed Services) inkl. Sensitivität (Wachstum, Lastspitzen, Wechselkurse, Preiserhöhungen).
- 5) Entscheidung & Steuerung: Budgetierung, Verantwortlichkeiten, KPIs (z. B. Kosten pro Nutzer, Kosten pro Ticket, Verfügbarkeit) und ggf. SLA & SLO (Service Level Objectives).
Warum ist CapEx vs. OpEx wichtig – besonders ohne eigene IT-Abteilung?
Für kleinere und mittlere Unternehmen ist die Entscheidung oft eine Mischung aus Finanzen, Risiko und Umsetzbarkeit:
- Liquidität & Planbarkeit: OpEx reduziert hohe Anfangsinvestitionen und macht Kosten oft planbarer (monatlich/jährlich). CapEx bindet Kapital, kann aber bei stabiler Auslastung günstiger wirken.
- Risiko & Verantwortung: CapEx bedeutet meist auch mehr Betriebsverantwortung (Patchen, Monitoring, Ersatzteile, Security). OpEx/Managed Services verlagern Teile davon an den Anbieter – aber mit Abhängigkeiten.
- Skalierung: Cloud-OpEx skaliert schneller bei Wachstum oder saisonalen Peaks; CapEx ist oft „vorab überdimensioniert“ oder später teuer nachzurüsten.
- Vendor Lock-in: Bei starkem Cloud-/Outsourcing-Fokus sollten Wechselkosten und Vendor Lock-in (Anbieterbindung) im Modell enthalten sein.
Beispiele: Wann CapEx, wann OpEx?
- CapEx-Beispiel: Ein Unternehmen kauft Server + Backup-Hardware für 40.000 € und schreibt über 5 Jahre ab. Zusätzlich fallen OpEx für Strom, Housing, Wartung und externe Admin-Stunden an – diese „versteckten“ OpEx werden oft unterschätzt.
- OpEx-Beispiel: Das gleiche Setup wird als Managed Cloud/Managed Services für z. B. 1.800 € pro Monat bezogen. Enthalten sind Betrieb, Updates, Monitoring, Backup und definierte Reaktionszeiten – wichtig ist hier, Leistungsumfang und Grenzen (z. B. Change Requests) sauber zu definieren.
Typische Stolperfallen im IT-Kostenmodell
- Migration & Einführungsaufwand fehlt: Datenumzug, Identitäten, Schnittstellen, Schulungen.
- Schattenkosten: Ausfallzeiten, Security-Vorfälle, interne Koordination.
- Unklare Nutzung in der Cloud: Ohne Kostenkontrollen (z. B. Budgets, Tags) können OpEx stark schwanken; hier helfen FinOps-Ansätze wie FinOps für KI (AI FinOps).
Unterm Strich ist CapEx vs. OpEx kein „richtig oder falsch“, sondern ein Entscheidungsrahmen: Er macht sichtbar, ob Sie Kapital binden oder Flexibilität kaufen – und welche Betriebsverantwortung Sie intern tragen (können) oder extern einkaufen sollten.