IT-Product Owner (IT PO)
Ein IT-Product Owner (IT PO) ist die Rolle, die Anforderungen aus dem Business sammelt, bewertet und priorisiert und daraus ein umsetzbares Arbeitsprogramm für ein IT-Produkt oder einen IT-Service macht. Er vertritt die Nutzer- und Unternehmenssicht gegenüber IT, Dienstleistern und Stakeholdern und sorgt dafür, dass die „richtigen“ Dinge zuerst gebaut werden – gemessen an Nutzen, Risiko und Aufwand.
Was bedeutet IT-Product Owner (IT PO)?
„Product Owner“ stammt aus Scrum und bedeutet wörtlich „Produktverantwortlicher“. In der Praxis ist ein IT-Product Owner oft stärker auf interne Systeme, digitale Services und Prozess-IT fokussiert (z. B. CRM, ERP, Kundenportal, Reporting, Integrationen). Der IT PO ist nicht zwingend der disziplinarische Chef des Teams, aber er ist fachlich verantwortlich für Richtung, Prioritäten und Wertbeitrag.
Wie arbeitet ein IT-Product Owner in der Praxis?
- Bedarf aufnehmen: Ziele, Probleme und Wünsche aus Fachbereichen (z. B. Vertrieb, Operations, Finance) verstehen und in klare Anforderungen übersetzen.
- Priorisieren: Ein Backlog aufbauen und laufend sortieren – nach Business Value, Dringlichkeit, Abhängigkeiten, Risiken, Compliance und geschätztem Aufwand.
- Akzeptanz definieren: Klare Akzeptanzkriterien festlegen (wann gilt etwas als „fertig“ und „richtig“?).
- Lieferung steuern: Mit internen Teams oder externen Dienstleistern (Agentur, Systemhaus, Managed Service Provider) die Umsetzung planen und Ergebnisse abnehmen.
- Transparenz schaffen: Roadmap, Status, Entscheidungen und Trade-offs kommunizieren – damit Erwartungen realistisch bleiben.
Warum ist ein IT PO besonders wichtig für Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung?
Wenn IT extern eingekauft wird, entsteht schnell ein Steuerungsproblem: Dienstleister liefern technisch korrekt, aber nicht zwingend das, was den größten Geschäftsnutzen bringt. Ein IT PO reduziert dieses Risiko, indem er als „Übersetzer“ zwischen Business und Technik fungiert, Entscheidungen vorbereitet und die Leistung messbar macht (z. B. über KPIs, SLA/SLO, Nutzerfeedback).
Beispiel: Ein Unternehmen möchte „KI im Kundenservice“ einführen. Der IT PO hilft, den Use Case zu schärfen (Welche Anfragen? Welche Daten?), geeignete Ansätze zu bewerten (z. B. RAG (Retrieval-Augmented Generation) statt blindem Chatbot), und Anforderungen an Datenschutz, Logging und Qualität zu definieren (z. B. Umgang mit Halluzinationen (Hallucinations), Einbindung von Human-in-the-Loop (HITL), Vorgaben aus AI Governance).
Abgrenzung: IT PO vs. Projektleiter vs. Product Manager
- Projektleiter: Fokus auf Zeit, Budget, Scope und Koordination. Der IT PO fokussiert stärker auf Wert und Prioritäten.
- Product Manager: Häufig stärker markt- und strategiefokussiert (Positionierung, Pricing, Go-to-Market). Der IT PO ist näher an Umsetzung und Backlog-Entscheidungen.
- Service Owner/ITSM-Rollen: Fokus auf Betrieb, Stabilität und Servicequalität; der IT PO ergänzt dies um Weiterentwicklung und Nutzenmaximierung.
Typische Aufgaben & Deliverables
- Produkt-/Service-Roadmap, Zielbild und Prioritätenlogik
- Backlog (Epics, User Stories, Anforderungen) inkl. Akzeptanzkriterien
- Entscheidungsvorlagen (Build vs. Buy, Tool-Auswahl, Vendor-Steuerung)
- Abnahme von Inkrementen/Features und Steuerung von Feedback-Schleifen
Woran erkennt man, dass ein IT PO fehlt?
- Viele „dringende“ Anforderungen, aber keine klare Reihenfolge
- Unklare Verantwortlichkeiten: Niemand entscheidet, was als Nächstes kommt
- Lieferungen passen technisch, aber lösen das Business-Problem nicht
- Scope Creep, lange Durchlaufzeiten, wiederkehrende Rework-Schleifen
Merksatz: Der IT-Product Owner stellt sicher, dass begrenzte IT-Budgets und externe Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie den höchsten Geschäftsnutzen bringen – und dass Ergebnisse messbar, abnehmbar und nachhaltig betreibbar sind.