KI im Recruiting (HR AI)
KI im Recruiting (HR AI) bezeichnet den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um wiederkehrende Aufgaben im Bewerbungsprozess schneller, konsistenter und datenbasiert zu erledigen – z. B. beim Erstellen von Stellenanzeigen, bei Vorauswahl-Fragen, Interviewleitfäden sowie beim Formulieren von E-Mails an Kandidaten. Für KMU ist das vor allem ein Produktivitätshebel, nicht zwingend ein IT-Projekt.
Was bedeutet KI im Recruiting konkret?
In der Praxis bedeutet HR AI meist: Ein KI-Tool (oft ein ChatGPT-ähnlicher Assistent auf Basis eines Large Language Model (LLM)) unterstützt Ihre HR-Verantwortlichen oder Führungskräfte beim Schreiben, Strukturieren und Standardisieren. Statt „alles selbst formulieren“ geben Sie der KI Kontext (Rolle, Anforderungen, Arbeitsalltag, Benefits) und erhalten Entwürfe, die Sie prüfen und anpassen.
Wie funktioniert KI im Recruiting (typischer Ablauf in 5 Schritten)?
- Input sammeln: Kurzprofil der Stelle, Must-haves, Nice-to-haves, Gehaltsband/Benefits, Arbeitsort, Startdatum.
- Text & Struktur erzeugen: KI erstellt Stellenanzeige, Kurzversion für Social Media und eine interne Scorecard (Bewertungskriterien).
- Vorauswahl vereinheitlichen: KI schlägt Knock-out-Fragen (z. B. Führerschein, Schichtbereitschaft) und faire Screening-Fragen vor.
- Interview vorbereiten: KI generiert Interviewleitfaden mit kompetenzbasierten Fragen und Bewertungsrubrik.
- Kommunikation automatisieren: KI formuliert Einladungen, Absagen, Rückfragen und Follow-ups – freundlich, rechtssicher im Ton, konsistent im Stil.
Wofür ist KI im Recruiting für KMU besonders nützlich?
KMU (5–30 Mitarbeitende) haben selten eine eigene HR-Abteilung. Genau hier hilft KI: Sie reduziert Schreibarbeit, verhindert „Bauchgefühl-only“-Entscheidungen durch standardisierte Kriterien und sorgt für schnellere Reaktionszeiten gegenüber Bewerbenden. Typische Quick Wins sind: bessere Stellenanzeigen (klarer, zielgruppengerechter), weniger Ping-Pong per Mail und strukturiertere Interviews, die auch ungeübte Interviewer sicherer machen.
Worauf sollten Geschäftsführer achten (Risiken & Leitplanken)?
- Bias & Fairness: KI kann ungewollt diskriminierende Formulierungen vorschlagen. Prüfen Sie Texte und Fragen aktiv (Stichwort Bias & Fairness (Verzerrung & Fairness)).
- Datenschutz: Lebensläufe enthalten personenbezogene Daten. Nutzen Sie nur Tools/Setups, die zu Ihrer DSGVO-Lage passen, und minimieren Sie Daten (siehe Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI und Data Minimization (Datenminimierung)).
- Halluzinationen: KI „erfindet“ manchmal Details. Fakten (Benefits, Aufgaben, Gehalt, Prozesse) müssen Sie verifizieren (siehe Halluzinationen (Hallucinations)).
- Human-in-the-Loop: KI ist Assistenz, keine Entscheidungshoheit. Endauswahl und Begründung sollten bei Menschen bleiben (siehe Human-in-the-Loop (HITL)).
Was kostet KI im Recruiting?
Für viele KMU startet HR AI als Tool-Abo: häufig ab ca. 20–50 € pro Nutzer/Monat für einen KI-Assistenten. Zusätzliche Kosten entstehen, wenn Sie Automatisierungen (z. B. Bewerber-Mails aus dem ATS) integrieren oder Workflows bauen (z. B. mit Automatisierung (Automation) oder n8n). Der größte „Kostenblock“ ist oft intern: klare Prozesse, Vorlagen und Verantwortlichkeiten.
Praxisbeispiel
Sie suchen eine/n Mechatroniker/in: Die KI erstellt eine Anzeige in „bodenständigem“ Ton, schlägt 5 Screening-Fragen (z. B. Reisebereitschaft, Schichtmodell) vor, generiert einen Interviewleitfaden (Fachfragen + Verhalten) und formuliert drei E-Mail-Vorlagen (Eingangsbestätigung, Einladung, Absage). Ergebnis: schneller live, professioneller Auftritt, weniger Zeit im Tagesgeschäft.