Lagerverwaltung (Inventory Management)
Lagerverwaltung (Inventory Management) ist die Planung, Steuerung und Dokumentation aller Bestände im Lager – inklusive Reservierungen, Warenein- und -ausgängen sowie Umlagerungen – meist direkt im ERP-System. Ziel ist, jederzeit zu wissen, was in welcher Menge wo liegt, was bereits für Aufträge blockiert ist und wann nachbestellt werden muss. So vermeiden KMU Lieferengpässe, Überbestände und teure Fehler.
Was bedeutet Lagerverwaltung im ERP?
In einem ERP ist Lagerverwaltung das Modul, das Artikelbestände mit den Geschäftsprozessen verbindet: Einkauf, Verkauf, Produktion und Versand. Sobald z. B. eine Bestellung eingeht, kann das System Bestand prüfen, Ware reservieren, eine Kommissionierliste erstellen und nach dem Versand den Bestand automatisch reduzieren. Für Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung ist das besonders wichtig, weil klare Prozesse und Automatisierung manuelle Excel-Listen ersetzen.
Wie funktioniert Lagerverwaltung (typischer Ablauf)?
- 1) Artikel & Lagerorte anlegen: Produkte (SKU/Artikelnummer), Einheiten, Mindestbestände sowie Lagerplätze (Regal, Fach, Standort) werden definiert.
- 2) Wareneingang buchen: Eingehende Ware wird geprüft und als Zugang erfasst (z. B. per Lieferschein oder Barcode-Scan). Der Bestand steigt.
- 3) Reservieren bei Auftrag: Bei Kundenaufträgen wird Ware „blockiert“, damit sie nicht doppelt verkauft wird. Das System unterscheidet häufig zwischen verfügbar und reserviert.
- 4) Kommissionieren & Verpacken: Mitarbeitende erhalten Picklisten nach Lagerplatz. Nach dem Pick wird der Ausgang gebucht.
- 5) Inventur & Korrekturen: Regelmäßige Zählungen (Stichtags- oder permanente Inventur) gleichen Soll- und Ist-Bestand ab.
Wofür brauchen KMU Lagerverwaltung?
Eine saubere Lagerverwaltung sorgt für zuverlässige Lieferzusagen, weniger Kapitalbindung und weniger Stress im Tagesgeschäft. Typische Nutzenpunkte:
- Lieferfähigkeit erhöhen: Vermeidet „verkauft, aber nicht vorhanden“ durch Echtzeit-Bestände und Reservierungen.
- Bestände optimieren: Mindestbestände, Meldebestände und Nachbestellvorschläge reduzieren Überbestände.
- Fehler reduzieren: Klare Lagerplätze, Scannen und geführte Prozesse senken Falschlieferungen und Retouren.
- Bessere Planung: Bewegungsdaten zeigen Renner/Penner, Saisonspitzen und typische Engpässe.
Praxisbeispiele
- Handelsbetrieb: Bei 200 Bestellungen/Tag verhindert die Reservierungslogik, dass zwei Mitarbeitende denselben letzten Artikel kommissionieren.
- Produktion: Rohmaterial wird beim Fertigungsauftrag reserviert; das System warnt, wenn Material fehlt, bevor die Linie stillsteht.
- Mehrere Lager: Umlagerungen zwischen Standorten werden als Lagerbewegung gebucht, damit der Bestand pro Standort stimmt.
Was kostet Lagerverwaltung?
Die Kosten hängen stark vom ERP, Nutzeranzahl und Funktionsumfang ab. In Cloud-ERP-Lösungen ist Lagerverwaltung oft im Paket enthalten oder als Modul buchbar (häufig ab ca. 20–80 € pro Nutzer/Monat), während Barcodescanner, Etikettendruck und Implementierung (Prozesse, Datenimport, Schulung) zusätzliche Einmalkosten verursachen können. Entscheidend ist weniger „das Tool“, sondern ein sauberer Prozess: Wareneingang konsequent buchen, Reservierungen nutzen und Inventuren regelmäßig durchführen.