Legacy Modernization
Legacy Modernization bezeichnet die gezielte Modernisierung älterer IT-Systeme ("Legacy-Systeme"), damit sie sicherer, wartbarer und besser integrierbar werden – ohne die Geschäftsprozesse zu gefährden. Typische Maßnahmen sind Refactoring, Replatforming, Rehosting oder die schrittweise Ablösung durch neue Anwendungen. Ziel ist, Kosten und Risiken zu senken und gleichzeitig mehr Geschwindigkeit für Digitalisierung zu gewinnen.
Was bedeutet „Legacy“ im Unternehmensalltag?
Als „Legacy“ gelten Anwendungen oder Plattformen, die geschäftskritisch sind, aber technisch veraltet: z. B. ein ERP auf einer alten Datenbankversion, eine Eigenentwicklung in einer kaum verfügbaren Programmiersprache oder ein System, das nur auf einem bestimmten Server im Keller läuft. Häufig fehlen aktuelle Sicherheitsupdates, Schnittstellen (APIs) oder automatisierte Tests. Das führt zu steigenden Betriebskosten, Abhängigkeit von einzelnen Personen und langen Release-Zyklen.
Wie funktioniert Legacy Modernization? (typischer Ablauf)
- 1) Bestandsaufnahme: Welche Systeme sind kritisch, wie hoch sind Betriebs- und Ausfallrisiken, welche Abhängigkeiten (Daten, Schnittstellen, Prozesse) existieren?
- 2) Zielbild & Priorisierung: Was soll in 12–24 Monaten besser sein (z. B. Cloud-Fähigkeit, API-Integration, kürzere Time-to-Market)? Welche Anwendungen zuerst?
- 3) Modernisierungsstrategie wählen: Je System wird entschieden, ob man es anpasst, migriert oder ersetzt (siehe Optionen unten).
- 4) Umsetzung in Etappen: Möglichst inkrementell (z. B. Modul für Modul), mit klaren Rollback-Plänen und parallelem Betrieb, wenn nötig.
- 5) Stabilisierung & Betrieb: Monitoring, Security-Härtung, Dokumentation und Übergabe in einen modernen Betriebsmodus (DevOps/Managed Services).
Welche Modernisierungsansätze gibt es?
- Refactoring: Code wird strukturell verbessert (z. B. Monolith in sauberere Module), ohne die Fachlogik grundsätzlich zu ändern. Gut für langfristige Wartbarkeit, aber mit höherem Entwicklungsaufwand.
- Replatforming: Umzug auf eine modernere Plattform mit kleineren Anpassungen (z. B. neue Datenbankversion, Container), um Performance und Betrieb zu verbessern.
- Rehosting („Lift & Shift“): Umzug nahezu unverändert (z. B. in die Cloud). Schnell, aber technische Schulden bleiben oft bestehen.
- Rearchitecting: Größere Umgestaltung der Architektur (z. B. Services, APIs, Eventing), um Skalierung und Integration zu ermöglichen.
- Replacement (Ablösung): Altsystem wird durch Standardsoftware/SaaS ersetzt. Sinnvoll, wenn die Anforderungen „Standard“ sind und Custom-Code teuer wäre.
Warum ist Legacy Modernization für kleine Unternehmen wichtig?
Für Geschäftsführer ist Legacy Modernization vor allem ein Risikomanagement- und Wachstumsthema: Veraltete Systeme erhöhen Ausfall- und Sicherheitsrisiken, bremsen Automatisierung und erschweren neue digitale Services. Modernisierung schafft die Basis für Integrationen (z. B. CRM, Buchhaltung, Shop), schnellere Prozessänderungen und verlässlichere Daten. Gerade wenn man KI-Use-Cases plant, sind moderne Schnittstellen und saubere Datenflüsse entscheidend – sonst wird KI schnell zum teuren „Pilot ohne Wirkung“.
Beispiele aus der Praxis
- Produktion/Handwerk: Eine alte Auftragsverwaltung wird per Replatforming auf eine aktuelle Datenbank gehoben und erhält eine API, damit Zeiterfassung und Rechnungsstellung automatisiert werden können.
- Handel: Ein Legacy-Shop wird ersetzt (SaaS), während das alte Warenwirtschaftssystem zunächst per Schnittstellen angebunden wird – später folgt Refactoring der Bestandslogik.
- Dienstleistung: Eine Access-/Excel-Lösung wird schrittweise in eine moderne Web-App überführt, um Mehrbenutzerbetrieb, Rollenrechte und Audit-Logs zu ermöglichen.
Typische Stolpersteine (und wie man sie vermeidet)
- „Big Bang“-Migration: Komplettumstieg an einem Stichtag ist riskant. Besser: inkrementell modernisieren.
- Unklare Ownership: Ohne fachliche Verantwortliche (Prozessowner) werden Anforderungen widersprüchlich.
- Nur Technik, kein Nutzen: Modernisierung braucht messbare Ziele (z. B. Release-Zyklus halbieren, Ausfallzeiten senken, Integrationskosten reduzieren).
Unterm Strich ist Legacy Modernization eine strategische Investition: Sie reduziert technische Schulden, erhöht Sicherheit und macht Ihr Unternehmen schneller – eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Digitalisierung.