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Penetrationstest (Pentest)

Gezielter Sicherheitstest durch simulierte Angriffe auf Systeme/Anwendungen.

Ein Penetrationstest (Pentest) ist ein gezielter Sicherheitstest, bei dem IT-Systeme, Netzwerke oder Anwendungen unter kontrollierten Bedingungen wie von echten Angreifern geprüft werden. Ziel ist, Schwachstellen zu finden, deren Ausnutzbarkeit zu bewerten und konkrete Maßnahmen abzuleiten, bevor es zu einem Sicherheitsvorfall oder Datenabfluss kommt.

Was bedeutet „Pentest“?

„Penetration“ steht für das (testweise) Eindringen in ein System. Ein Pentest ist damit mehr als ein automatischer Vulnerability-Scan: Er kombiniert Tools, manuelle Tests und Erfahrung, um realistische Angriffspfade nachzustellen – inklusive Nachweis, ob eine Lücke tatsächlich ausnutzbar ist (Proof of Concept), ohne den Betrieb unnötig zu gefährden.

Wie funktioniert ein Penetrationstest in der Praxis?

Ein professioneller Pentest folgt typischerweise einem klaren Ablauf, der vorab schriftlich vereinbart wird (Scope, Regeln, Zeitfenster, Notfallkontakt):

  • 1) Vorbereitung & Scoping: Welche Systeme werden getestet (z. B. Webshop, VPN, Microsoft 365, WLAN)? Welche Methoden sind erlaubt? Welche Daten sind tabu?
  • 2) Informationssammlung (Recon): Ermittlung von Angriffsflächen, z. B. öffentlich erreichbare Dienste, Subdomains, Fehlkonfigurationen.
  • 3) Schwachstellenanalyse: Kombination aus Scans und manueller Prüfung (z. B. OWASP-Top-10 bei Webanwendungen).
  • 4) Exploitation (kontrolliert): Test, ob sich Lücken ausnutzen lassen (z. B. Zugriff auf Admin-Bereiche, Datenbankauszüge, Rechteausweitung).
  • 5) Bewertung & Bericht: Risiko-Einstufung (z. B. kritisch/hoch/mittel/niedrig), technische Details, Business-Auswirkung, konkrete Fix-Empfehlungen.
  • 6) Retest: Nach Behebung wird geprüft, ob die Schwachstellen wirklich geschlossen sind.

Beispiele für typische Pentest-Funde bei KMU

  • Webanwendung: Fehlende Zugriffskontrollen (IDOR), unsichere Passwort-Reset-Flows, SQL-Injection, XSS, unsichere Datei-Uploads.
  • Netzwerk/Server: Veraltete Dienste, offene Admin-Ports, schwache SMB-Konfiguration, fehlende Segmentierung.
  • Cloud/SaaS: Fehlkonfigurationen (z. B. zu weitgehende Rollen), fehlendes MFA, unsichere API-Keys.

Warum ist ein Pentest wichtig (IT-Sicherheit & DSGVO)?

Für KMU in Deutschland ist ein Pentest vor allem ein praktischer Nachweis, dass technische und organisatorische Maßnahmen (TOM) wirksam sind. Die DSGVO verlangt zwar nicht „Pentests für alle“, aber angemessene Sicherheit (Art. 32 DSGVO) – und regelmäßige Überprüfung/ Bewertung der Maßnahmen. Ein Pentest kann helfen, Risiken für personenbezogene Daten früh zu erkennen, die Eintrittswahrscheinlichkeit zu senken und im Ernstfall bessere Argumente gegenüber Kunden, Versicherern oder Aufsichtsbehörden zu haben.

Wann lohnt sich ein Pentest besonders?

  • Vor Go-Live eines neuen Webshops, Kundenportals oder einer App
  • Nach größeren Änderungen (z. B. Cloud-Migration, neues IAM, neue Schnittstellen)
  • Bei erhöhtem Risiko: externe Zugänge (VPN), viele Remote-User, sensible Daten, kritische Lieferketten
  • Als regelmäßiger Check (z. B. jährlich) oder zur Vorbereitung auf Audits/Compliance-Anforderungen

Abgrenzung: Pentest vs. Vulnerability Scan

Ein Vulnerability-Scan findet potenzielle Schwachstellen meist automatisiert. Ein Pentest geht einen Schritt weiter: Er prüft, ob und wie sich Schwachstellen in Ihrer konkreten Umgebung ausnutzen lassen, priorisiert nach realem Risiko und liefert umsetzbare Fixes. Viele KMU kombinieren beides: regelmäßige Scans + punktuelle Pentests für kritische Systeme.