SAllgemein

Schulungspflicht nach EU AI Act (AI Literacy Pflicht)

Organisationen müssen Mitarbeitende im KI-Umgang angemessen schulen.

Die Schulungspflicht nach EU AI Act (auch „AI Literacy Pflicht“) bedeutet: Unternehmen und Organisationen müssen sicherstellen, dass Mitarbeitende, die KI-Systeme nutzen, überwachen oder deren Ergebnisse bewerten, angemessen im Umgang mit KI geschult sind. Ziel ist, dass KI im Alltag kompetent, sicher, rechtskonform und mit gesundem Menschenverstand eingesetzt wird – passend zu Rolle, Risiko und eingesetztem Tool.

Was bedeutet „AI Literacy“ im EU AI Act?

„AI Literacy“ heißt KI-Kompetenz: Mitarbeitende sollen verstehen, was KI kann (und was nicht), welche Risiken es gibt und wie man KI-Ergebnisse richtig einordnet. Es geht weniger um Programmierung, sondern um praktische Handlungsfähigkeit: richtig fragen, richtig prüfen, richtig entscheiden. In der Praxis betrifft das sehr oft Tools wie ChatGPT oder andere Generative KI (Generative AI)-Anwendungen, die Texte, Bilder oder Zusammenfassungen erzeugen.

Wie funktioniert die Schulungspflicht in der Praxis (für KMU)?

Der EU AI Act verlangt keine „Einheits-Schulung für alle“, sondern eine angemessene Qualifizierung. Für kleine Unternehmen ohne IT-Abteilung ist ein pragmatisches Vorgehen sinnvoll:

  • 1) KI-Einsatz im Betrieb erfassen: Welche Teams nutzen welche KI-Tools (Marketing, Vertrieb, HR, Support)? Welche Daten werden eingegeben?
  • 2) Rollen & Risiken zuordnen: Wer nutzt KI nur für Entwürfe, wer trifft Entscheidungen auf Basis von KI? Je höher das Risiko, desto intensiver die Schulung.
  • 3) Schulungsinhalte definieren: z. B. Datenschutz, Vertraulichkeit, Qualitätsprüfung, typische Fehlerbilder.
  • 4) Kurze Trainings + klare Regeln: 60–90 Minuten Basistraining für alle Nutzer, plus kurze Auffrischungen (z. B. quartalsweise) und Team-spezifische Module.
  • 5) Nachweise dokumentieren: Teilnehmerliste, Inhalte, Datum, interne KI-Richtlinie, ggf. kurze Wissensabfrage.

Welche Inhalte gehören typischerweise in eine KI-Schulung?

  • Grundlagen: Was ist ein Large Language Model (LLM)? Warum „klingt“ KI oft überzeugend, auch wenn sie falsch liegt?
  • Qualität & Kontrolle: Umgang mit Halluzinationen (Hallucinations), Quellencheck, Vier-Augen-Prinzip bei kritischen Outputs.
  • Datenschutz & Geheimhaltung: Was darf in Prompts, was nicht? Bezug zu Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI (z. B. keine Kundendaten/PII ohne Freigabe).
  • Sicherer Einsatz: Risiken wie Prompt Injection (z. B. manipulierte Inhalte in Dokumenten/Webseiten), Umgang mit externen Daten.
  • Praktische Nutzung: bessere Anweisungen mit Prompt Engineering, Standard-Prompts, Freigabeprozesse.

Warum ist die AI-Literacy-Pflicht für Geschäftsführer wichtig?

Für KMU ist KI ein Produktivitätshebel – aber auch ein Risiko, wenn Mitarbeitende vertrauliche Informationen in öffentliche Tools kopieren oder KI-Antworten ungeprüft übernehmen. Eine saubere Schulung reduziert Haftungs- und Reputationsrisiken, verbessert die Output-Qualität und schafft klare Verantwortlichkeiten. Außerdem ist die Schulungspflicht ein Baustein von AI Governance und hilft, „Shadow AI“ (ungeplante Tool-Nutzung) in geordnete Bahnen zu lenken.

Was kostet die Umsetzung?

Die Kosten hängen weniger von der Unternehmensgröße als von der Komplexität der KI-Nutzung ab. Viele KMU starten mit einem kompakten Basistraining (intern oder extern) und ergänzen eine kurze KI-Richtlinie sowie Checklisten. Der größte „Kostenblock“ ist meist nicht Geld, sondern Zeit: 1–2 Stunden pro Mitarbeitendem plus gelegentliche Updates, wenn neue Tools, Prozesse oder Regeln hinzukommen.

Hinweis: Dieser Glossar-Eintrag ist eine praxisorientierte Einordnung und keine Rechtsberatung. Für konkrete Pflichten je nach KI-System und Rolle kann juristische Beratung sinnvoll sein.