Serverless Computing
Serverless Computing ist ein Cloud-Modell, bei dem Ihre Anwendung in der Cloud läuft, ohne dass Sie Server kaufen, einrichten oder warten müssen. Der Cloud-Anbieter stellt Rechenleistung automatisch bereit und rechnet typischerweise nach tatsächlicher Nutzung ab (z. B. pro Aufruf, Laufzeit oder Ressourcenverbrauch) – statt pauschal pro dauerhaft laufendem Server.
Was bedeutet „serverless“ – obwohl es doch Server gibt?
„Serverless“ bedeutet nicht, dass keine Server existieren. Es heißt: Sie kümmern sich nicht um die Server. Betriebssystem, Skalierung, Patches, Kapazitätsplanung und ein großer Teil des Betriebs liegen beim Provider. Für KMU ist das vor allem interessant, weil IT-Aufwand und Fixkosten sinken und neue digitale Prozesse schneller umgesetzt werden können.
Wie funktioniert Serverless Computing?
In der Praxis wird meist ereignisgesteuert gearbeitet: Eine Aktion (Event) löst Code aus. Typische Events sind ein Website-Klick, ein API-Aufruf, eine neue Datei im Cloud-Speicher oder ein Zeitplan (Cron).
- 1) Event entsteht: z. B. ein Kunde sendet ein Kontaktformular ab.
- 2) Plattform startet Code automatisch: eine „Function“ wird ausgeführt (häufig „Functions-as-a-Service“).
- 3) Automatische Skalierung: bei vielen Anfragen werden parallel mehr Instanzen gestartet, bei wenigen fährt es wieder herunter.
- 4) Abrechnung nach Nutzung: bezahlt wird z. B. pro Ausführung und Millisekunden Laufzeit.
- 5) Integration mit Cloud-Diensten: Datenbank, Authentifizierung, Warteschlangen, E-Mail-Versand etc. werden als Managed Services angebunden.
Warum ist Serverless Computing für KMU relevant?
- Weniger Betriebsaufwand: keine Server-Updates, weniger „Feuerwehr“-IT, weniger Kapazitätsplanung.
- Kosten passen sich dem Geschäft an: ideal bei schwankender Nachfrage (z. B. Kampagnen, saisonale Peaks).
- Schneller live gehen: Teams können Features liefern, ohne zuerst Infrastruktur aufzubauen.
- Gute Basis für Automatisierung: Ereignisse aus Tools und SaaS-Systemen lassen sich flexibel verarbeiten, z. B. zusammen mit Automatisierung (Automation) oder Workflow-Tools wie n8n.
Beispiele aus dem Unternehmensalltag
- Lead-Verarbeitung: Nach einem Website-Formular werden Daten geprüft, im CRM gespeichert und eine Bestätigungs-E-Mail versendet.
- Dokumenten-Workflows: Eine hochgeladene Rechnung wird automatisch umbenannt, klassifiziert und an die Buchhaltung weitergeleitet.
- KI-Integrationen: Ein Support-Ticket wird automatisch zusammengefasst oder kategorisiert (z. B. mit ChatGPT oder einem Large Language Model (LLM)) und an das richtige Team geroutet.
Worauf sollten Entscheider achten? (Grenzen & Risiken)
- „Cold Starts“ & Latenz: Wenn eine Function länger nicht lief, kann der erste Aufruf minimal langsamer sein.
- Vendor Lock-in: Starke Bindung an einen Cloud-Anbieter ist möglich (siehe Vendor Lock-in (Anbieterbindung)).
- Kostenkontrolle: „Pay per use“ ist gut – aber bei Fehlern oder Traffic-Spitzen können Kosten steigen. Monitoring und Limits helfen.
- Sicherheit & Daten: Rechte, Schlüssel und Zugriffe sauber managen (z. B. Secrets Management (Schlüsselverwaltung)) sowie Datenschutzanforderungen berücksichtigen (siehe Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI).
Was kostet Serverless Computing?
Es gibt selten einen festen Paketpreis. Die Kosten hängen vor allem von Anzahl der Aufrufe, Laufzeit, Speicher/CPU, sowie genutzten Zusatzdiensten (Datenbank, API-Gateway, Logging) ab. Für kleine Workloads kann Serverless sehr günstig sein (oft sogar mit Free-Tier), bei dauerhaft hoher Last kann ein klassischer, fest provisionierter Server wirtschaftlicher werden.