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Transfer Impact Assessment (TIA)

Bewertung von Risiken bei Drittlandtransfer inkl. Zusatzmaßnahmen.

Ein Transfer Impact Assessment (TIA) ist eine dokumentierte Risikobewertung für die Übermittlung personenbezogener Daten in ein Drittland außerhalb der EU/des EWR. Es prüft, ob das Datenschutzniveau im Empfängerland (z. B. durch staatliche Zugriffe) die vertraglichen Garantien wie EU-Standardvertragsklauseln (SCC) unterläuft – und welche technischen/organisatorischen Zusatzmaßnahmen nötig sind.

Was bedeutet TIA im DSGVO-Alltag von KMU?

Für kleine Unternehmen in Deutschland wird ein TIA relevant, sobald ein Dienstleister Daten in Drittländer übermittelt oder darauf aus einem Drittland zugreift (z. B. Support, Administration, Cloud-Hosting, Analyse-Tools oder KI-APIs). Typische Fälle sind SaaS-Anbieter mit US-Mutterkonzern, Subunternehmerketten oder Remote-Zugriffe aus Nicht-EU-Ländern. Ein TIA ist kein „nice to have“, sondern Teil der Pflicht, Drittlandtransfers rechtmäßig abzusichern (insbesondere nach dem Schrems-II-Urteil und den Vorgaben des EDPB).

Wie funktioniert ein Transfer Impact Assessment (TIA)? (Praxis-Checkliste)

  • 1) Transfer beschreiben: Welche Daten (z. B. Kundendaten, Beschäftigtendaten), welche Systeme, welche Zwecke, welche Rollen (Verantwortlicher/Auftragsverarbeiter), welche Empfänger/Subunternehmer?
  • 2) Transfermechanismus prüfen: Liegt ein Angemessenheitsbeschluss vor (z. B. EU-US DPF) oder werden SCC/BCR genutzt? Passt der Mechanismus zur Konstellation?
  • 3) Rechts- und Zugriffslage im Drittland bewerten: Gibt es Gesetze/Behördenzugriffe, die die Vertraulichkeit gefährden? Wie realistisch ist der Zugriff im konkreten Szenario?
  • 4) Bestehende Schutzmaßnahmen bewerten: Verschlüsselung, Schlüsselmanagement, Zugriffskontrollen, Protokollierung, Incident-Prozesse, Transparenzberichte, Audit-Reports.
  • 5) Zusatzmaßnahmen festlegen: z. B. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit Schlüsseln in der EU, Pseudonymisierung, Datenminimierung, strikte Rollen-/Rechtekonzepte, vertragliche Zusagen zu Behördenanfragen, technische Abschottung.
  • 6) Ergebnis dokumentieren & umsetzen: Risikoentscheidung (vertretbar/nicht vertretbar), Maßnahmenplan, Verantwortlichkeiten, Review-Termin.

Konkretes Beispiel (typisch für KMU)

Ein KMU nutzt ein Ticket-System, dessen Support-Team auch aus einem Drittland auf Kundentickets zugreifen kann. Im TIA wird festgehalten: Datenkategorien (Kontakt- und Problembeschreibung), Zugriffsszenarien (Support-Login), Rechtsgrundlage (SCC), Risiko (mögliche Einsichtnahme), Zusatzmaßnahmen (Maskierung sensibler Inhalte, MFA, rollenbasierte Zugriffe, Logging, Aufbewahrungsfristen, Prozess für Behördenanfragen). Ergebnis: Transfer ist nur zulässig, wenn die Maßnahmen technisch und organisatorisch nachweisbar umgesetzt werden.

Warum ist ein TIA wichtig – besonders bei KI-Tools?

Bei KI-Anwendungen (z. B. Nutzung von ChatGPT oder anderen Generative KI (Generative AI)-Services) werden häufig Inhalte verarbeitet, die personenbezogene Daten enthalten können (E-Mails, Supportfälle, Bewerbungen). Wenn dabei Daten in Drittländer fließen oder von dort aus zugreifbar sind, ist ein TIA ein zentraler Baustein, um Datenschutzrisiken zu erkennen, Zusatzmaßnahmen (z. B. Data Minimization (Datenminimierung), Pseudonymisierung, Verschlüsselung) festzulegen und die Entscheidung revisionssicher zu dokumentieren.

Was kostet ein TIA?

Die „Kosten“ hängen vor allem vom Umfang ab: Anzahl der Transfers, Komplexität der Lieferkette (Subprozessoren), Sensibilität der Daten und vorhandene Nachweise (z. B. SOC2/ISO-Berichte). Für KMU ist der Aufwand oft überschaubar, wenn ein standardisiertes Template genutzt wird und man sich auf die wesentlichen Transfer-Szenarien konzentriert – teuer wird es meist erst, wenn nachträglich technische Maßnahmen oder Anbieterwechsel nötig werden.

Praxis-Tipp

Lege TIA, AV-Vertrag/Data Processing Agreement (DPA/AVV), TOMs und Subunternehmerliste in einem zentralen Compliance-Ordner ab und plane ein Review (z. B. jährlich oder bei Anbieter-/Rechtsänderungen). So kannst du bei Anfragen von Kunden oder Aufsichtsbehörden schnell nachweisen, dass du Drittlandtransfers kontrolliert und risikobasiert absicherst.