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Vendor Risk Management (Cloud/SaaS)

Bewertung von Anbietern: Sicherheit, Datenschutz, Ausfälle, Abhängigkeiten.

Vendor Risk Management (Cloud/SaaS) ist der strukturierte Prozess, mit dem Unternehmen die Risiken ihrer Cloud- und SaaS-Anbieter bewerten und steuern – z. B. in den Bereichen IT-Sicherheit, Datenschutz, Verfügbarkeit (Ausfälle) und Abhängigkeiten. Ziel ist, dass kritische Geschäftsprozesse auch dann geschützt und handlungsfähig bleiben, wenn ein externer Anbieter Probleme hat.

Was bedeutet Vendor Risk Management im Cloud-/SaaS-Kontext?

Wenn Sie Software „mieten“ (SaaS) oder IT-Ressourcen aus der Cloud nutzen, geben Sie Teile Ihrer Wertschöpfungskette an Dritte ab: Daten liegen außerhalb Ihres Hauses, Updates passieren beim Anbieter, und der Betrieb hängt von dessen Infrastruktur ab. Vendor Risk Management (VRM) sorgt dafür, dass Sie diese Abhängigkeiten bewusst eingehen – mit klaren Anforderungen, Verträgen, Kontrollen und Notfallplänen.

Wie funktioniert Vendor Risk Management (Cloud/SaaS)?

  • 1) Anbieter einordnen (Kritikalität): Welche Daten und Prozesse sind betroffen? Ein CRM mit Kundendaten ist kritischer als ein Tool für interne Umfragen.
  • 2) Risiken identifizieren: Typisch sind Datenabfluss, unklare Datenstandorte, fehlende Verschlüsselung, schwache Zugriffskontrollen, Lieferkettenrisiken, häufige Ausfälle oder ein starker Vendor Lock-in (Wechsel wird teuer/kompliziert).
  • 3) Nachweise prüfen (Due Diligence): z. B. Sicherheits- und Compliance-Dokumente, Penetrationstest-Zusammenfassungen, Zertifizierungen (z. B. ISO 27001), technische und organisatorische Maßnahmen, Subunternehmerlisten, sowie Datenschutzunterlagen wie Data Processing Agreement (DPA/AVV).
  • 4) Vertrag & SLAs festlegen: Verfügbarkeitszusagen, Support-Reaktionszeiten, Meldefristen bei Sicherheitsvorfällen, Datenlöschung, Audit-Rechte, Exit-Regeln und klare Verantwortlichkeiten. Hier sind SLA & SLO (Service Level Objectives) zentral.
  • 5) Maßnahmen umsetzen: z. B. SSO/MFA, Rollen- und Rechtekonzepte, Logging, Backup/Export-Strategien, Verschlüsselung, sowie klare Regeln zur Datennutzung und Aufbewahrung (z. B. Data Retention (Datenaufbewahrung) bei KI-Providern oder Zero Data Retention (ZDR), falls relevant).
  • 6) Laufend überwachen: Regelmäßige Re-Assessments, Überwachung von Status-Seiten, Incident-Reports, Änderungen an Subprozessoren, sowie interne Kontrollen (z. B. Zugriffsauswertungen).
  • 7) Exit- & Notfallplanung: Wie kommen Sie an Ihre Daten? Wie schnell können Sie wechseln? Gibt es Fallbacks oder eine Fallback Strategy (Fallback-Strategie)?

Warum ist Vendor Risk Management wichtig – gerade für KMU?

KMU profitieren stark von Cloud/SaaS, haben aber oft weniger Puffer für längere Ausfälle oder Compliance-Probleme. Ein einziger Vorfall (z. B. Ransomware beim Anbieter, Datenleck, längerer Service-Ausfall) kann Umsatz, Reputation und rechtliche Sicherheit gefährden. VRM reduziert diese Risiken, schafft Transparenz für Entscheidungen und hilft, Anforderungen aus der DSGVO sauber umzusetzen (z. B. Datenstandort, Löschkonzepte, Auftragsverarbeitung).

Konkrete Beispiele aus der Praxis

  • Datenschutz: Ein SaaS-Tool verarbeitet Kundendaten. VRM prüft, ob ein AVV vorhanden ist, wo die Daten liegen (z. B. Data Residency (Datenresidenz)) und wie Löschung/Export funktioniert.
  • Ausfallrisiko: Ihr ERP- oder Ticketsystem ist cloudbasiert. VRM stellt sicher, dass SLA, Support und Notfallprozesse passen – und dass Sie kritische Daten regelmäßig exportieren können.
  • Abhängigkeit: Ein Anbieter nutzt proprietäre Datenformate. VRM fordert Exit-Klauseln, standardisierte Exporte und dokumentierte Migrationspfade, um Vendor Lock-in zu begrenzen.

Was kostet Vendor Risk Management?

Die Kosten hängen vor allem von Anzahl und Kritikalität der Anbieter sowie von regulatorischen Anforderungen ab. Für KMU beginnt VRM oft pragmatisch: mit einer standardisierten Checkliste, klaren Mindestanforderungen (Sicherheit/Datenschutz/SLA) und einer jährlichen Überprüfung der wichtigsten 5–20 Anbieter. Je kritischer der Anbieter (z. B. Kernsysteme, personenbezogene Daten), desto tiefer sollte die Prüfung ausfallen.