Zero Trust
Zero Trust ist ein Sicherheitsmodell für IT und Cloud, das nach dem Prinzip „never trust, always verify“ arbeitet: Kein Nutzer, Gerät oder Dienst wird automatisch als vertrauenswürdig angesehen – auch nicht im eigenen Firmennetzwerk. Stattdessen wird jeder Zugriff kontinuierlich geprüft, nur minimal erlaubt und konsequent protokolliert.
Was bedeutet Zero Trust konkret?
Traditionelle IT-Sicherheit ging lange davon aus: „Innen ist sicher, außen ist gefährlich.“ Sobald jemand im Netzwerk ist (z. B. per VPN), hat er oft weitreichende Rechte. Zero Trust dreht das um: Vertrauen wird nicht durch den Standort (Büro, WLAN, VPN) vergeben, sondern durch Identität, Gerätezustand, Kontext und Risikobewertung. Das ist besonders wichtig, weil moderne IT aus Cloud-Diensten, Homeoffice, Smartphones, SaaS-Apps und externen Partnern besteht – also aus vielen „neuen Perimetern“.
Wie funktioniert Zero Trust? (in 5 Schritten)
- Identität prüfen: Zugriff basiert auf eindeutiger Anmeldung (z. B. Single Sign-on) und starker Authentifizierung (MFA).
- Gerät verifizieren: Ist das Notebook verwaltet, verschlüsselt, aktuell gepatcht? Unsichere Geräte bekommen eingeschränkten oder keinen Zugriff.
- Least Privilege umsetzen: Nutzer erhalten nur die Rechte, die sie wirklich brauchen – und idealerweise zeitlich begrenzt (z. B. Admin-Rechte nur für eine Aufgabe).
- Mikrosegmentierung & App-Zugriff: Statt „Netzwerkzugang“ gibt es gezielten Zugriff auf einzelne Anwendungen oder Datenbereiche.
- Monitoring & Policy-Steuerung: Zugriffe werden geloggt, Anomalien erkannt und Richtlinien dynamisch angewendet (z. B. bei ungewöhnlichem Ort oder Verhalten).
Warum ist Zero Trust wichtig – gerade für kleine Unternehmen?
Kleine Unternehmen sind häufig stark abhängig von wenigen Kernsystemen (E-Mail, ERP, Dateiablage) und haben begrenzte IT-Ressourcen. Ein kompromittiertes Konto oder ein infiziertes Endgerät kann schnell zu Ransomware, Datenabfluss oder Produktionsstillstand führen. Zero Trust reduziert die „Blast Radius“: Selbst wenn ein Account gehackt wird, sind die Bewegungsmöglichkeiten im System begrenzt und verdächtige Aktionen fallen eher auf.
Praktisches Beispiel: Ein Mitarbeiter meldet sich in Microsoft 365 an. Mit Zero Trust kann der Zugriff auf sensible SharePoint-Ordner nur erlaubt werden, wenn MFA aktiv ist, das Gerät compliant ist und der Login nicht aus einem Hochrisikoland kommt. Andernfalls wird der Zugriff blockiert oder auf „nur Web, kein Download“ begrenzt.
Zero Trust und KI-Tools: ein aktueller Use Case
Wenn Mitarbeitende Tools wie ChatGPT oder andere Generative KI (Generative AI)-Dienste nutzen, steigt das Risiko, dass vertrauliche Informationen in falsche Kanäle geraten. Zero Trust ergänzt hier technische Leitplanken: Zugriff auf KI-Tools kann an Unternehmens-Accounts, verwaltete Geräte, DLP-Regeln und Protokollierung gekoppelt werden. In Kombination mit AI Governance entstehen klare Regeln, wer welche Daten in welche Tools geben darf.
Was kostet Zero Trust?
Zero Trust ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Programm aus Richtlinien, Identitätsmanagement, Endgeräteverwaltung und Monitoring. Kosten hängen stark von der vorhandenen Infrastruktur ab (z. B. Microsoft 365/Google Workspace), Anzahl der Nutzer und gewünschtem Schutzlevel. Typisch sind Lizenzkosten für Identity/MFA, Device Management und Security-Monitoring plus Einführungsaufwand (Konzept, Rollen, Policies, Tests).
Merksatz für Geschäftsführer: Zero Trust ist eine strategische Sicherheitsentscheidung: weniger „Netzwerkvertrauen“, mehr kontrollierter Zugriff auf Anwendungen und Daten – passend zur Realität von Cloud, Homeoffice und Partnerzugriff.