Der EU AI Act pragmatisch: Risikoklassen statt Angst
Der EU AI Act pragmatisch: Risikoklassen statt Angst
Der AI Act reguliert nicht die Technik, sondern den Verwendungszweck: Vier Risikoklassen von verboten über hoch und beschränkt bis minimal ordnen jeden Fall ein, und die meisten Anwendungen im Mittelstand landen in den unteren beiden mit kaum Pflichten.
Grundlage ist ein zentrales KI-Inventar, denn managen kann man nur, was man kennt. Für die wenigen Hochrisiko-Fälle gelten rund acht Pflichtbereiche, das ist planbarer Aufwand, kein Verbot, und wer schon eine Data-Governance hat, erweitert sie evolutionär.
Wie es in der Praxis läuft
Der Verwendungszweck entscheidet, nicht das Werkzeug
Reguliert ist nie die KI selbst, sondern die konkrete Anwendung, dieselbe Technik ist mal minimal, mal hoch reguliert. Der pauschale Einwand, Regulierung verbiete KI im Betrieb, ist fast immer falsch, weil die Mehrheit der Use-Cases gering reguliert ist.
Die vier Risikoklassen als Sortierlogik
Die hohe Klasse trifft Anwendungen mit ernsten Folgen für Einzelne wie Recruiting oder Kredit und trägt die acht Pflichtbereiche, die beschränkte verlangt Transparenz, die minimale fast alles Übrige ohne Pflichten. Die Skala zeigt schwarz auf weiß, welche wenigen Fälle echte Arbeit brauchen.
Das KI-Inventar zuerst
Klassifizieren kannst du nur, was du kennst, deshalb steht am Anfang ein zentrales, durchsuchbares Register aus jedem Use-Case, System und jeder Idee im Dreiklang aus Nutzerproblem, Lösungsansatz und Mehrwert. Es ist zugleich das, was der AI Act für Hochrisiko-Fälle ohnehin verlangt.
Risikobewertung aus dem Datenschutz-Muster ableiten
Das Muster der Folgenabschätzung aus dem Datenschutz lässt sich direkt übertragen: welche Personen betroffen sind, welcher Schaden denkbar ist, welche Schutzmaßnahmen greifen. Wer Protokollierung, Dokumentation und Monitoring schon sauber umsetzt, ist gut gerüstet.
Lebenszyklus über Quality Gates steuern
Der AI Act denkt in Lebenszyklen, steuere jeden Hochrisiko-Fall über feste Prüfpunkte, an denen ein System nur mit belegter Qualität passiert. Wer Evals ab Tag null in die Auslieferungskette einbaut, erzeugt die Nachweise fast nebenbei.
Anbieter oder Betreiber: die Rollenfrage
Baust und vertreibst du ein System selbst, bist du Anbieter mit der vollen Last, setzt du ein fremdes nur ein, bist du Betreiber mit leichteren Pflichten. Kläre die Rolle früh je Use-Case, für den Mittelstand ist die Betreiber-Rolle der Normalfall und eine Entlastung.