KI beschaffen: die Fragen vor der Unterschrift

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KI beschaffen: die Fragen vor der Unterschrift

KI wird eingekauft wie jede andere Unternehmenssoftware: Funktionslisten vergleichen, Preis verhandeln, über mehrere Jahre unterschreiben, ausrollen. Das Verfahren stammt aus einer Zeit, in der ein Warenwirtschaftssystem zehn Jahre lief und ein Wechsel ein Großprojekt war. KI-Werkzeuge altern schneller: Was vor drei Monaten schwach war, kann heute das beste Angebot sein.

Dazu kommt eine Lücke in der Verhandlung. Über Funktionen und Preis wird ausführlich gesprochen, über Verzerrung in den Ergebnissen, über Abhängigkeit vom Anbieter und über Missbrauchspotenzial fast nie. Diese Punkte entscheiden später, ob ein System im Betrieb trägt. Beschaffung ist bei KI kein Formalschritt am Ende, sondern der Ort, an dem du die Bedingungen deines Betriebs festlegst.

Prinzipien und Praxis

Wie es in der Praxis läuft

Die drei Fragen vor der Unterschrift

In Einkaufsgesprächen über KI fragt kaum jemand nach Verzerrung, Abhängigkeit und Missbrauchspotenzial. Für einen Betrieb werden daraus drei Fragen an den Anbieter. Erstens die Prüfbarkeit: Kann jemand später nachvollziehen, warum das System in einem Fall so entschied? Die Antwort kommt nie aus dem Modell, sondern aus Daten, Prozess und Protokoll zusammen. Zweitens der Speicherort: Wo liegen die Daten, wer darf sie sehen, was passiert nach Vertragsende? Drittens die Fehlerquote im echten Betrieb, nicht im Prospekt. Fehlt die dritte Antwort, kaufst du blind. Daran scheitern Abschlüsse regelmäßig: Käufer sagen ab, weil sie nicht wissen, was sie kaufen.

Laufzeit: höchstens ein Jahr

Der Anker aus der Praxis lautet: Verträge für KI-Werkzeuge auf höchstens zwölf Monate, danach neu bewerten. Der Grund ist nicht Misstrauen gegen den Anbieter, sondern das Tempo des Marktes. Dieselbe Logik gilt für deinen Fahrplan: Horizonte von drei, sechs und sechs bis zwölf Monaten tragen besser als eine Fünfjahresplanung, und festgelegt wird darin das gewünschte Ergebnis, nicht das Werkzeug. Das steht quer zur Fünfjahres-Denke vieler IT-Abteilungen, und diese Beweglichkeit muss die Geschäftsführung einfordern. Prüf beim jährlichen Termin auch die einfachste Sparfrage: ob ein Modell, das in eurer bezahlten Büroumgebung ohnehin enthalten ist, eine separate Lizenz ersetzt.

Was im Vertrag stehen muss

Die entscheidende Trennlinie verläuft oft nicht zwischen Anbietern, sondern zwischen Vertragsstufen desselben Anbieters. Freie und private Versionen erlauben das Training auf euren Eingaben meist standardmäßig, die Geschäftsstufen schließen es aus und bringen einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit, also die Vereinbarung, dass ein Dienstleister eure Daten nur weisungsgebunden in eurem Auftrag verarbeitet. Verantwortlich bleibt euer Unternehmen. Dazu gehört der Ausstieg: In regulierten Branchen sind Ausstiegsstrategie und Notfallbetrieb vorgeschrieben, damit das Geschäft auch beim Ausfall eines Anbieters weiterläuft. Für alle anderen sind beide vernünftig. Verhandle einen Datenexport in einem Format, das du auch ohne diesen Anbieter lesen kannst, eine Kündigungsfrist passend zu eurer Umbauzeit und eine Löschfrist nach Vertragsende. Warum Wahlfreiheit über den einzelnen Vertrag hinaus zählt, steht in Deutschland und europäische Souveränität.

Vergleichen heißt: dein Dokument, deine Fehler

Welches Werkzeug taugt, entscheidest du nicht über die Produktseite, sondern über ein Testdokument, in das du selbst bekannte Fehler einbaust und dann zählst, welche gefunden werden. Ein dokumentierter Vergleich zeigt die Spanne: Bei acht eingebauten Fehlern fand ein Werkzeug keine einzige falsche Formel, das zweite fand fünf. Bei derselben Aufgabe lieferte das eine drei statt sechs geforderten Tabellen, das andere rund acht samt Diagramm. Nimm als Testfall eine Aufgabe, die bei euch wirklich anfällt. Tiefe Einbettung in vorhandene Programme ersetzt keine Qualität: Bei einem eng in die Büroumgebung integrierten Assistenten haben von 450 Millionen Nutzern nur 15 Millionen eine bezahlte Lizenz, rund drei Prozent.

Wenn nach Ergebnis abgerechnet wird

Die Preislogik verschiebt sich vom Preis pro Arbeitsplatz zum Preis pro erledigtem Vorgang. Ein Anbieter von Anreicherungssoftware rechnet nur noch nach ergebnisbasierten Aktionen ab, ein Anbieter von Support-Software kombiniert Arbeitsplatzpreis und rund einen Dollar je gelöstem Ticket, ein dritter stellt von Lizenzen auf erfolgreich erledigte Aufgaben um, die eine KI selbstständig übernimmt. Für deine Planung ist das ein Bruch: Zwanzig Leute mal hundert Euro sind sofort budgetierbar, ein Preis je Vorgang ohne Mengen aus der Vergangenheit nicht. Zähl deshalb vorher, wie viele solcher Vorgänge im Vorjahr anfielen, und verhandle eine Obergrenze mit. Wie du den laufenden Verbrauch danach steuerst, steht in Tokens als Kostenwährung steuern.

Beschaffung an den Tisch, Verworfenes auf Wiedervorlage

Der häufigste Stillstand in KI-Vorhaben entsteht nicht an der Technik, sondern am ungleichen Tempo von Produkt, IT, Recht und Beschaffung. Die Antwort ist keine neue Abteilung, sondern eine Runde aus allen vieren, die jedes Vorhaben durch dieselbe Folgenabschätzung schickt. Beschaffung und Recht werden so zu Partnern der Fachbereiche statt zur Bremse. Diese Runde hält zwei Regeln. Kein Werkzeug wird breit gekauft ohne benannte Aufgabe dahinter, sonst liegt die Lizenz ungenutzt. Und jeder verworfene Anwendungsfall kommt mit Datum auf eine Wiedervorlageliste, die ihr quartalsweise durchgeht, weil ein vor drei Monaten schwaches Werkzeug heute reichen kann.

Loslegen

Die ersten Schritte

Konkret und heute machbar.
Stell vor jeder Unterschrift die drei Fragen nach Prüfbarkeit, Speicherort und Fehlerquote und halt die Antworten schriftlich fest.
Begrenze die Laufzeit jedes neuen KI-Vertrags auf zwölf Monate und trag den Prüftermin in den Kalender ein.
Klär, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag vorliegt und die gebuchte Vertragsstufe das Training auf euren Daten ausschließt.
Lass das juristisch prüfen.
Schreib den Ausstieg in den Vertrag: Datenexport in lesbarem Format, passende Kündigungsfrist, Löschfrist nach Vertragsende.
Bau ein Testdokument mit selbst eingebauten Fehlern und lass jeden Kandidaten dieselbe Aufgabe daran lösen.
Rechne bei ergebnisbasierten Preisen die Vorgangsmenge des Vorjahres durch und verhandle eine monatliche Obergrenze.
Führ eine Wiedervorlageliste für verworfene Anwendungsfälle und geh sie quartalsweise mit Fachbereich, IT, Recht und Beschaffung durch.
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