Sichtbarkeit in KI-Antworten: wenn die Maschine für deinen Kunden recherchiert
Sichtbarkeit in KI-Antworten: wenn die Maschine für deinen Kunden recherchiert
Dein Kunde tippt seine Frage immer seltener in eine Suchmaschine und immer öfter in ein Chatfenster. Dort bekommt er keine Liste mit zehn Links, sondern eine fertige Antwort mit zwei oder drei Namen darin. Ob dein Name dabei ist, entscheidet nicht mehr deine Platzierung in einer Trefferliste, sondern das, was das System über dich zu wissen glaubt. Der Web-Verkehr sank im Verlauf eines Jahres um rund 15 Prozent, und bei Nachrichten-Suchen enden rund 70 Prozent der Anfragen ohne einen Klick auf die Quelle, weil die Antwort die Quelle überspringt.
Das ist kein reines Marketing-Thema. Die Suche wird gerade komplett umgebaut, die größte Änderung seit 25 Jahren, und der KI-Modus der größten Suchmaschine zählt über eine Milliarde Aufrufe. Dazu kommen Suchagenten, also KI-Programme, die im Hintergrund selbstständig recherchieren, etwa nach dem günstigsten Produkt. Die Leitfrage gehört damit auf die Tagesordnung der Geschäftsführung: Werden wir überhaupt noch gefunden?
Wie es in der Praxis läuft
Sieh zuerst nach, was über dich gesagt wird
Bevor du etwas änderst, stellst du fest, wie du in den Antworten überhaupt vorkommst. Das ist kein aufwendiges Projekt: Du nimmst die Fragen, die deine Kunden vor einer Kaufentscheidung stellen, gibst sie in mehrere verbreitete Chatsysteme ein und schreibst mit, welche Anbieter genannt werden, in welcher Reihenfolge und mit welcher Begründung. Der Anlass ist belegt: In einem Test stufte ein Sprachmodell unaufgefordert eine Wettbewerbermarke höher ein als die des Auftraggebers. Wer das nie nachgesehen hat, diskutiert über Vermutungen. Wer es einmal im Quartal nachsieht, hat eine Zeitreihe.
Warum die Klicks ausbleiben, obwohl die Suche wächst
Der Verkehr auf deiner Seite taugt nicht mehr als Beweis für Wirkung. Die Klickrate auf die genannten Quellen liegt bei 1 bis 3 Prozent, während der Suchumsatz des größten Anbieters um 12 Prozent stieg. Für Verlage ist das ein massives Problem, für jedes andere Unternehmen ein Messproblem: Deine Inhalte wirken, aber sie wirken in einer fremden Antwort. Der größte Teil dessen, was Chatsysteme heute an Besuchern schicken, ist schlichter Verweis-Verkehr, also ein weitergereichter Link, kein abgeschlossener Vorgang. Zähl deshalb Nennung und Besuch getrennt, statt beides in einer Zahl zu verrühren.
Wie ein Suchagent für deinen Kunden recherchiert
Es gibt nicht eine neue Eingangstür, sondern drei: die KI-Antwort direkt in der Suchmaschine, die Chatsysteme selbst und die eingebaute KI-Suche in Anwendungen, die deine Kunden ohnehin nutzen. Technisch kann ein Agent den kompletten Weg gehen: eine Website besuchen, suchen, vergleichen, in den Warenkorb legen, kaufen und die Bestellung nachbetreuen. In der Praxis passiert bisher fast nur der vordere Teil: Die Recherche ist schon delegiert, die Entscheidung noch nicht. Kunden vertrauen der KI bei der Recherche, wollen den Abschluss aber überwiegend selbst kontrollieren.
Lesbar, aktuell und belegbar sein
Aus der Suchmaschinenoptimierung wird die Optimierung für generative Systeme, im Fachjargon Generative Engine Optimization: Du optimierst nicht mehr auf Platz eins einer Trefferliste, sondern darauf, in einer erzeugten Antwort mit dem richtigen Produkt vorzukommen. Die Anforderungen dahinter sind unspektakulär: Deine Inhalte müssen für Maschinen lesbar sein, aktuell gehalten werden und vertrauenswürdig belegt sein. Preise, Leistungen und Bedingungen gehören als Text auf die Seite, nicht in ein Bild und nicht in ein PDF, das niemand aufmacht. Und du prüfst, ob du das Auslesen nicht selbst sperrst: Ein großer Händler hat sich genau so aus der Produktsuche eines Chatsystems herauskatapultiert. Das zugrundeliegende Protokoll für diese Anbindung ist offen, andere Anbieter werden voraussichtlich nachziehen.
Was das für Preise und Leistungsbausteine heißt
Wenn ein Agent im Hintergrund nach dem günstigsten Produkt sucht, wird dein Angebot zuerst über den Preis verglichen, sofern es sonst nichts zu vergleichen gibt. Dynamische Preise sind dabei nichts Neues: Flugpreise sind längst Prognosen aus Nachfrage, Zeitpunkt, Konkurrenz, verbleibenden Plätzen und benutztem Gerät, und Hotels spielen Preise aus, die es nur am Handy gibt. Der interessantere Hebel ist nicht der Preis, sondern der Schnitt: dynamisches Bündeln statt nur dynamischer Preise, also Leistungsbausteine, die sich je nach Fall unterschiedlich zusammenstellen lassen. Zerleg dein Angebot deshalb in benannte Bausteine mit Leistung und Preis, statt einen Pauschalpreis zu nennen, den eine Maschine nur gegen andere Pauschalpreise hält. Dazu kommt der Selbstverstärker aus den Empfehlungslisten: Sichtbarkeit erzeugt Bestseller, und Bestseller erzeugen wieder Sichtbarkeit.
Rechne mit einer bezahlten Schicht in den Antworten
Die erste Seite der klassischen Suche ist heute großteils gesponsert, und Werbung wird in die kostenlosen Chat-Antworten eingebaut. Im Chat ist sie schlechter als Werbung erkennbar, weil viele mit dem System reden wie mit einem Bekannten. Gleichzeitig bricht das alte Tauschgeschäft, Inhalte gegen Reichweite: Es wird über Bezahlschranken für maschinelle Zugriffe und über Kleinstbeträge pro Abruf diskutiert. Rechne deshalb damit, dass ein Teil der Sichtbarkeit in Antwortsystemen künftig Geld kostet.