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Bring Your Own AI (BYOAI)

Mitarbeitende nutzen eigene KI-Accounts/Tools für die Arbeit

Bring Your Own AI (BYOAI) beschreibt den Trend, dass Mitarbeitende für ihre Arbeit eigene KI-Accounts und KI-Tools nutzen – etwa private Zugänge zu ChatGPT oder anderen Assistenten – statt ausschließlich freigegebene Unternehmenslösungen. Das steigert oft Tempo und Kreativität, kann aber Sicherheits-, Datenschutz- und Compliance-Risiken erzeugen.

Was bedeutet Bring Your Own AI (BYOAI)?

Analog zu „Bring Your Own Device“ (BYOD) heißt BYOAI: Beschäftigte bringen ihre bevorzugten KI-Werkzeuge selbst mit. Typisch sind Browser-Tools, Plugins oder Automationen (z. B. über n8n), die ohne zentrale IT-Freigabe eingesetzt werden. Häufig entsteht BYOAI, weil offizielle KI-Angebote fehlen, zu langsam eingeführt werden oder funktional nicht überzeugen.

Wie funktioniert BYOAI in der Praxis?

  • Tool-Auswahl: Mitarbeitende wählen ein KI-Tool (z. B. Text-, Code- oder Analyse-Assistenten auf Basis eines Large Language Model (LLM)) und erstellen einen eigenen Account.
  • Arbeitsdaten im Prompt: Inhalte aus E-Mails, Tickets, Dokumenten oder Kundendaten werden in Prompts eingefügt (bewusst oder unbewusst).
  • Ergebnisnutzung: KI-Ausgaben fließen in Texte, Präsentationen, Support-Antworten, Analysen oder Prozessautomationen ein.
  • Optional: Automatisierung: Über Workflows (z. B. Automatisierung (Automation)) werden Anfragen, Zusammenfassungen oder Klassifizierungen teilautomatisch erstellt.

Warum ist BYOAI wichtig (und riskant)?

BYOAI ist wichtig, weil es zeigt, wie schnell KI-Nutzung in Organisationen „von unten“ entsteht. Der Nutzen ist real: schnellere Recherche, bessere Textqualität, Entlastung bei Routineaufgaben, Prototyping und Ideation. Gleichzeitig entstehen zentrale Risiken:

  • Datenschutz & Vertraulichkeit: Werden personenbezogene Daten oder interne Informationen in private Tools eingegeben, drohen Verstöße gegen Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI sowie Geheimhaltungsprobleme.
  • Compliance & Regulierung: Ohne Vorgaben zu Logging, Aufbewahrung, Datenresidenz oder Anbieterprüfung kann BYOAI mit EU AI Act-Anforderungen kollidieren.
  • Schatten-IT & fehlende Governance: Ohne AI Governance fehlen klare Regeln, wer welche Tools wofür nutzen darf.
  • Qualitätsrisiken: Ergebnisse können fehlerhaft sein (siehe Halluzinationen (Hallucinations)) oder durch schlechte Prompts entstehen; ohne Review-Prozess wird das schnell produktiv übernommen.
  • Sicherheitsrisiken: Prompt-basierte Angriffe wie Prompt Injection oder Datenabfluss (z. B. Prompt Leakage (Prompt-Datenabfluss)) können bei unkontrollierten Tools leichter passieren.

Beispiele für BYOAI-Use-Cases

  • Marketing: Entwürfe für Landingpages, Anzeigenvarianten, Content-Briefings (mit Prompt Engineering).
  • Sales: Zusammenfassung von Calls, Formulierung von Follow-ups, Einwandbehandlung – oft mit sensiblen Kundendaten im Prompt.
  • HR: Stellenanzeigen, Interviewleitfäden, Bewerbungszusammenfassungen (hier ist PII besonders kritisch).
  • IT/Operations: Skripte, Prozessdokumentation oder Automationen via n8n.

Wie Unternehmen BYOAI sinnvoll steuern

Statt BYOAI nur zu verbieten, setzen viele Unternehmen auf „Enable & Govern“: zugelassene Tools, klare Richtlinien, Schulungen, technische Schutzmaßnahmen und Reviews. Praktisch heißt das: definierte Datenklassen (was darf in Prompts?), zentrale Freigaben, sichere Enterprise-Accounts, Leitplanken (z. B. Guardrails (KI-Leitplanken)) sowie Prozesse für Risiko-Checks (z. B. AI Risk Assessment (KI-Risikobewertung)).

BYOAI ist damit weniger ein einzelnes Tool als ein Organisationsphänomen: Es zeigt, wo KI echten Mehrwert liefert – und wo Governance, Datenschutz und sichere Alternativen dringend nachziehen müssen.