Model Cards (Modellkarten)
Model Cards (Modellkarten) sind standardisierte Dokumentationen für KI-Modelle, die Zweck, Trainingsdaten, Leistungskennzahlen, Grenzen und Risiken transparent beschreiben. Sie helfen Teams und Nutzern zu verstehen, wofür ein Modell geeignet ist (und wofür nicht), welche Annahmen dahinterstecken und welche Sicherheits- und Compliance-Aspekte beachtet werden müssen.
Was bedeutet „Model Card“ (Modellkarte)?
Der Begriff „Model Card“ meint eine Art „Steckbrief“ für ein Machine-Learning- oder KI-Modell. Ähnlich wie ein Beipackzettel fasst die Modellkarte die wichtigsten Informationen zusammen: Einsatzbereich, Datenbasis, getestete Qualität, bekannte Schwächen, mögliche Bias-Risiken und empfohlene Nutzung. Das ist besonders relevant bei Generative KI (Generative AI) und Large Language Model (LLM), weil Ergebnisse probabilistisch sind und sich Fehler (z. B. Halluzinationen (Hallucinations)) nicht vollständig vermeiden lassen.
Wie funktionieren Model Cards in der Praxis?
Model Cards werden üblicherweise beim Training, vor dem Rollout und bei jeder größeren Modelländerung gepflegt. Eine gute Modellkarte beantwortet Fragen, die in Entwicklung, Betrieb (MLOps) und Governance (AI Governance) immer wieder auftreten:
- Modellzweck: Welche Aufgaben löst das Modell (z. B. Klassifikation, Textgenerierung, Tool-Steuerung via Function Calling / Tool Use)?
- Kontext & Zielgruppe: Für welche Nutzer/Prozesse ist es gedacht (z. B. Support-Automation mit n8n und Automatisierung (Automation))?
- Daten & Herkunft: Welche Daten wurden verwendet (Quellen, Zeitraum, Datenqualität, Lizenzen, personenbezogene Daten im Sinne von Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI)?
- Evaluation: Welche Metriken und Tests wurden durchgeführt (z. B. Genauigkeit, Robustheit, Safety-Tests, Prompt-Resistenz gegen Jailbreaks)?
- Limits & Failure Modes: Wo versagt das Modell typischerweise (z. B. domänenspezifische Fachfragen ohne RAG (Retrieval-Augmented Generation), veraltetes Wissen, Mehrdeutigkeiten)?
- Risiken & Mitigations: Bias, Datenschutz, Sicherheitsrisiken, Missbrauchsszenarien und Gegenmaßnahmen (Guardrails, Logging, Human-in-the-loop).
Beispiel: Modellkarte für ein Support-LLM
Angenommen, ein Unternehmen nutzt ein ChatGPT-ähnliches Large Language Model (LLM) für den Kundensupport. Die Model Card würde u. a. festhalten:
- Intended Use: Entwürfe für Antworten, Zusammenfassungen, Ticket-Kategorisierung.
- Out of Scope: Keine Rechts- oder Medizinberatung; keine verbindlichen Zusagen.
- Daten: Fine-Tuning mit internen FAQ (ggf. Fine-Tuning oder LoRA), plus Wissensabruf über RAG (Retrieval-Augmented Generation).
- Risiken: Halluzinierte Fakten, Datenabfluss, unfaire Behandlung bestimmter Kundengruppen.
- Mitigation: Quellenpflicht bei RAG-Antworten, PII-Filter, Freigabe-Workflow in n8n.
Warum sind Model Cards wichtig?
Model Cards schaffen Transparenz, reduzieren Fehlanwendungen und unterstützen verantwortungsvolle KI. Sie sind ein praktisches Bindeglied zwischen Technik, Produkt, Recht und Security – und helfen, Anforderungen aus Regulierung und Standards (z. B. EU AI Act) strukturiert nachzuweisen. Außerdem erleichtern sie Betrieb und Wartung: Wenn sich Daten, Prompting oder Inference-Setup (Inference) ändern, kann die Dokumentation gezielt aktualisiert und die Auswirkung nachvollzogen werden.
Wann solltest du eine Model Card erstellen?
Spätestens vor dem produktiven Einsatz – und immer dann, wenn sich Modell, Daten, Zielgruppe oder Risikoprofil ändern (z. B. neues Fine-Tuning, neue Tools, neue Domäne). Besonders bei extern genutzten Modellen oder sicherheitskritischen Use Cases ist eine Model Card ein Must-have.