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Model Explainability (Erklärbarkeit)

Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen für Nutzer und Auditoren

Model Explainability (Erklärbarkeit) bezeichnet die Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen für Nutzer, Fachabteilungen und Auditoren. Sie beantwortet verständlich, warum ein Modell zu einem bestimmten Output kommt (z. B. Empfehlung, Klassifikation oder Textantwort), welche Daten/Signale dafür relevant waren und wo Grenzen, Unsicherheiten oder Risiken liegen.

Was bedeutet Model Explainability in der Praxis?

Erklärbarkeit ist mehr als „das Modell erklärt sich selbst“. Sie umfasst Methoden, Dokumentation und Prozesse, die Transparenz schaffen – besonders wichtig, wenn Entscheidungen Auswirkungen auf Menschen, Geld oder Compliance haben. Bei Large Language Model (LLM)-Systemen (z. B. ChatGPT) ist Explainability häufig indirekt: Statt „Gewichten“ zu erklären, wird offengelegt, welche Quellen, welcher Prompt, welche Tools und welche Regeln die Antwort beeinflusst haben.

Wie funktioniert Erklärbarkeit? (typische Bausteine)

  • Transparenz über Inputs: Welche Nutzereingaben, Dokumente oder Datenpunkte wurden verwendet? Bei RAG (Retrieval-Augmented Generation) z. B. welche Textstellen (Chunks) aus der Wissensbasis in die Antwort eingeflossen sind.
  • Attribution/Einflussanalyse: Welche Features oder Textpassagen haben die Entscheidung am stärksten beeinflusst (z. B. SHAP/LIME bei klassischen Modellen; bei LLMs eher „evidence highlighting“ über Retrieval-Quellen).
  • Begründung in natürlicher Sprache: Eine verständliche Begründung, die zur Zielgruppe passt (User vs. Auditor). Wichtig: Begründungen dürfen nicht zu „Pseudo-Erklärungen“ werden, sondern müssen prüfbar sein.
  • Unsicherheit & Grenzen: Kennzeichnung von Unsicherheit, fehlender Datenbasis, möglichen Halluzinationen (Hallucinations) und Situationen, in denen das Modell nicht zuverlässig ist.
  • Dokumentation & Governance: Modell- und Systemdokumentation (z. B. Model Cards (Modellkarten), Datenquellen, Evaluationsberichte) als Bestandteil von AI Governance und regulatorischen Anforderungen (z. B. EU AI Act).

Warum ist Model Explainability wichtig?

  • Vertrauen & Akzeptanz: Nutzer akzeptieren KI-Ergebnisse eher, wenn sie nachvollziehen können, wie diese zustande kommen.
  • Fehleranalyse & Qualität: Erklärbarkeit hilft, falsche Annahmen, Bias, Datenprobleme oder Prompt-Probleme zu erkennen – und gezielt zu verbessern.
  • Compliance & Auditierbarkeit: In regulierten Bereichen (Finanzen, HR, Gesundheit) braucht es nachvollziehbare Entscheidungswege, Logs und Kontrollen.
  • Risikoreduktion: Schutz vor Sicherheits- und Manipulationsrisiken wie Prompt Injection sowie bessere Durchsetzung von Guardrails (KI-Leitplanken).

Beispiele aus LLM- & Automation-Workflows

  • RAG-Chatbot im Support: Das System zeigt Quellenzitate (Citations) und markiert, welche Passagen aus der Wissensdatenbank die Antwort stützen. Das erhöht Prüfbarkeit und reduziert Halluzinationen.
  • Tool-Use/Agenten: Ein AI Agents (KI-Agenten)-Workflow protokolliert Tool-Aufrufe und Parameter (z. B. über Function Calling / Tool Use). So ist nachvollziehbar, welche Daten aus CRM/ERP gezogen wurden und warum eine Aktion ausgelöst wurde.
  • Automatisierung mit n8n: In einem Genehmigungsprozess wird gespeichert, welcher Prompt, welche Dokumentversion und welche Regeln zur Entscheidung geführt haben – inklusive „Human-in-the-Loop“ Freigabe bei Unsicherheit.

Wichtige Abgrenzung: Explainability vs. Interpretability

„Interpretability“ meint oft, dass ein Modell von Natur aus leicht verständlich ist (z. B. lineare Modelle). „Explainability“ beschreibt Maßnahmen, um auch komplexe Modelle erklärbar zu machen – inklusive Systemdesign (z. B. Retrieval, Logging, Evaluations) und nicht nur Modellmathematik.

Unterm Strich ist Model Explainability ein zentraler Bestandteil, um KI-Systeme verlässlich, auditierbar und verantwortungsvoll in Unternehmen einzusetzen – besonders bei generativen Systemen, die dynamische, nicht-deterministische Ausgaben erzeugen.