Retrieval (Information Retrieval)
Retrieval (Information Retrieval) ist der gezielte Abruf relevanter Informationen aus internen oder externen Quellen (z. B. Dokumenten, Datenbanken, Webseiten), damit KI-Systeme daraus präzisere, aktuellere und belegbare Antworten erzeugen können. In der Praxis ist Retrieval ein Kernbaustein von wissensbasierten KI-Workflows – besonders in Kombination mit RAG (Retrieval-Augmented Generation).
Was bedeutet Retrieval (Information Retrieval)?
„Retrieval“ bedeutet wörtlich „Abruf“. Im Kontext von KI und Suchsystemen beschreibt Information Retrieval Methoden, um aus großen Datenmengen die passenden Inhalte zu finden – nicht einfach „irgendwelche“. Anders als ein Large Language Model (LLM), das Wissen primär aus Trainingsdaten „im Kopf“ hat, holt Retrieval Informationen zur Laufzeit aus Quellen, die du kontrollierst oder die aktuell sind (z. B. Handbücher, FAQs, Richtlinien, Tickets, Produktdaten).
Wie funktioniert Retrieval in KI-Systemen?
Ein typischer Retrieval-Prozess in KI-Anwendungen (z. B. mit ChatGPT-ähnlichen Interfaces) läuft in mehreren Schritten ab:
- 1) Daten aufbereiten: Inhalte werden gesammelt (PDFs, Wikis, Webseiten, CRM/ERP, Notion etc.) und oft in kleine Textabschnitte („Chunks“) zerlegt.
- 2) Repräsentation erzeugen: Für Chunks werden Embeddings berechnet, also numerische Vektoren, die Bedeutung abbilden.
- 3) Speichern & Indexieren: Die Vektoren landen in einer Vektordatenbank (Vector Database), damit semantische Suche schnell möglich ist.
- 4) Anfrage verstehen: Die Nutzerfrage wird ebenfalls in ein Embedding umgewandelt.
- 5) Ähnlichkeitssuche: Das System findet die relevantesten Textstellen (Top-k Treffer) und gibt sie als Kontext an das Modell.
- 6) Antwort generieren: Das Large Language Model (LLM) formuliert eine Antwort auf Basis der gefundenen Quellen – idealerweise mit Zitaten/Quellenlinks.
Warum ist Retrieval wichtig?
- Weniger Halluzinationen (Hallucinations): Wenn die KI auf echte, passende Inhalte zugreift, sinkt das Risiko erfundener Aussagen.
- Aktualität: Policies, Preise oder Produktinfos ändern sich – Retrieval kann auf den neuesten Stand zugreifen, ohne dass du ein Modell neu trainieren musst.
- Nachvollziehbarkeit: Gute Retrieval-Setups erlauben Quellenangaben („Grounding“), was Vertrauen und Prüfbarkeit erhöht.
- Datensouveränität: Du kannst festlegen, welche Dokumente genutzt werden dürfen – relevant für Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI und AI Governance.
Beispiele aus der Praxis (LLM, Automation, Agents)
- Support-Chatbot: Retrieval findet passende FAQ-/Handbuch-Passagen, das Modell erstellt daraus eine Antwort inklusive Schritt-für-Schritt-Anleitung.
- Vertrieb/Pre-Sales: Abruf von Produktdatenblättern, Case Studies und Preisen, um Angebote konsistent zu formulieren.
- Interne Wissenssuche: Mitarbeiter fragen „Wie beantrage ich X?“ – Retrieval holt Richtlinien aus dem Intranet.
- Workflows mit n8n: Automatisiert neue Dokumente einlesen, embeddieren und in die Vektordatenbank (Vector Database) schreiben; bei Anfragen Retrieval + Antwortausgabe in Slack/CRM.
- AI Agents (KI-Agenten) & Tools: Retrieval liefert Kontext, während Function Calling / Tool Use zusätzliche Echtzeitdaten (z. B. Ticketstatus) abruft.
Was kostet Retrieval?
Die Kosten hängen typischerweise von (a) Datenmenge und Update-Frequenz, (b) Embedding- und Suchanfragen pro Monat, (c) gewählter Infrastruktur (Managed Vektordatenbank vs. Self-Hosting) und (d) Qualitätsmaßnahmen (Re-Ranking, Metadatenfilter, Monitoring) ab. Oft entstehen laufende Kosten durch Embeddings, Speicherung/Index und Inference-Aufrufe; bei Enterprise-Setups kommen Anforderungen aus EU AI Act und MLOps hinzu.
Merksatz: Retrieval macht KI-Antworten „wissensbasiert“: Es bringt die richtigen Informationen zur richtigen Zeit ins Modell – statt zu hoffen, dass das Modell sie zufällig korrekt „erinnert“.