Souveräne Cloud (Sovereign Cloud) für KI
Eine Souveräne Cloud (Sovereign Cloud) für KI ist ein Cloud-Betriebsmodell, bei dem Daten, Schlüssel, Zugriffe und Betriebsprozesse so gestaltet sind, dass EU-/DE-Datenhoheit, Kontrolle und Compliance (z. B. DSGVO) eingehalten werden. Ziel ist, KI-Anwendungen sicher zu betreiben – ohne ungewollte Datenabflüsse, Drittstaaten-Zugriffe oder intransparente Subunternehmerketten.
Was bedeutet „souverän“ im Cloud-Kontext?
„Souverän“ bedeutet nicht automatisch „on-premises“ oder „nur deutscher Anbieter“, sondern: Sie behalten die tatsächliche Kontrolle über Ihre KI-Daten und -Workloads. Typische Bausteine sind Datenresidenz in der EU/Deutschland, strikte Mandantentrennung, klare Zuständigkeiten (Controller/Processor), Auditierbarkeit sowie technische Maßnahmen wie Kundenschlüsselverwaltung (Hold Your Own Key/Bring Your Own Key) und fein granulare Zugriffskontrollen.
Wie funktioniert eine souveräne Cloud für KI?
- 1) Datenlokation & Datenflüsse definieren: Trainingsdaten, Prompts, Logs, Vektoren und Outputs bleiben in festgelegten EU/DE-Regionen; Exporte werden verhindert oder genehmigungspflichtig gemacht (Stichwort Data Residency (Datenresidenz)).
- 2) Identitäten & Zugriffe absichern: IAM, Zero-Trust, rollenbasierte Rechte, JIT-Zugriffe und starke Protokollierung (wer hat wann was getan?).
- 3) Schlüsselhoheit umsetzen: Verschlüsselung „at rest“ und „in transit“, idealerweise mit kundenseitig kontrollierten Schlüsseln (HSM/KMS) – auch für Backups.
- 4) KI-Workloads kontrolliert betreiben: Inferenz/Serving in isolierten Umgebungen (z. B. Kubernetes, Confidential Computing), klare Netzwerkgrenzen, Egress-Kontrollen und DLP/PII-Schutz.
- 5) Compliance & Nachweise liefern: Verträge (AVV), TOMs, Audit-Reports (z. B. ISO 27001), Löschkonzepte, Aufbewahrungsfristen und Incident-Prozesse.
Wofür braucht man das bei KI (LLMs, Agents, Automationen)?
KI-Systeme verarbeiten oft besonders sensible Informationen: Kundendaten, interne Dokumente, Quellcode, Vertragsinhalte oder Gesundheits- und Personaldaten. Bei Anwendungen mit Large Language Model (LLM), RAG (Retrieval-Augmented Generation), Embeddings und Vektordatenbank (Vector Database) entstehen zusätzliche Datenartefakte (z. B. Vektorrepräsentationen, Retrieval-Logs, Prompt-Verläufe). Eine souveräne Cloud reduziert Risiken wie unkontrollierte Datenweitergabe, unklare Datenverarbeitungsketten oder Compliance-Verstöße – und erleichtert Governance nach AI Governance sowie regulatorische Anforderungen (z. B. EU AI Act und Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI).
Beispiele aus der Praxis
- RAG-Chatbot für internes Wissen: Unternehmensdokumente werden in einer EU-basierten Vektordatenbank (Vector Database) abgelegt; Inferenz läuft in einem EU-Cluster; Prompts/Antworten werden nur minimal geloggt und ggf. via PII Redaction (PII-Schwärzung) bereinigt.
- Agentische Prozessautomatisierung: Ein AI Agents (KI-Agenten)-Workflow ruft Tools per Function Calling / Tool Use auf (z. B. Ticketsystem, ERP). In einer souveränen Cloud werden Secrets über Secrets Management (Schlüsselverwaltung) verwaltet und Tool-Zugriffe in einer Agent Sandbox (Tool-Sandboxing) eingeschränkt.
- Compliance-kritische LLM-Nutzung: Statt externer „Black-Box“-APIs wird ein Open-Weights-Modell (z. B. Meta Llama (Open-Weights LLM) oder Mistral (Mistral AI)) selbst gehostet; Monitoring erfolgt über Model Monitoring & Observability (LLMOps).
Was kostet eine souveräne Cloud für KI?
Die Kosten hängen vor allem von Rechenleistung (GPU/CPU), Sicherheits- und Compliance-Anforderungen sowie Betriebsmodell (Managed vs. Self-Managed) ab. Typische Kostentreiber sind GPU-Inferenz (Lastspitzen, Latenzanforderungen), Logging/Observability, Netzwerk-Egress, Audits sowie zusätzliche Controls (HSM, Egress-Filter, DLP). Häufig lohnt sich eine souveräne Cloud besonders, wenn sensible Daten verarbeitet werden oder Governance- und Nachweispflichten hoch sind.
Woran erkennt man eine „echte“ souveräne KI-Cloud?
Achten Sie auf messbare Kriterien: klare Datenresidenz, transparente Subprozessoren, kontrollierte Schlüssel (BYOK/HYOK), technische Egress-Sperren, auditierbare Zugriffspfade, saubere Lösch- und Backup-Prozesse sowie dokumentierte Verantwortlichkeiten. Souveränität ist damit weniger ein Marketinglabel als ein überprüfbares Architektur- und Betriebsversprechen.