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EU AI Act: Codes of Practice (Verhaltenskodizes)

Branchenleitlinien zur Umsetzung von GPAI-Pflichten.

EU AI Act: Codes of Practice (Verhaltenskodizes) sind freiwillige, von der Industrie (oft gemeinsam mit Behörden und Expert:innen) entwickelte Leitlinien, die zeigen, wie Anbieter von General-Purpose-AI (GPAI) – z. B. Generative KI (Generative AI) und Large Language Model (LLM) – die Pflichten des EU AI Act praktisch umsetzen können. Sie dienen als „Best-Practice“-Rahmen für Governance, Transparenz, Risiko- und Sicherheitsmaßnahmen.

Im Kontext von GPAI (z. B. ChatGPT-ähnlichen Modellen) ist der EU AI Act technisch und organisatorisch anspruchsvoll: Es geht nicht nur um ein einzelnes Produkt, sondern um Basismodelle, die in vielen Anwendungen landen. Codes of Practice sollen hier eine Brücke schlagen zwischen Gesetzestext und operativer Umsetzung – ähnlich wie Branchenstandards, nur mit direktem Bezug zu den gesetzlichen Anforderungen.

Was bedeutet das konkret?

Ein Code of Practice beschreibt typischerweise konkrete Maßnahmen, Prozesse und Nachweise, die ein GPAI-Anbieter etablieren kann, um EU-AI-Act-Pflichten zu erfüllen oder nachvollziehbar zu adressieren. Das kann z. B. Vorgaben enthalten zu:

Wie funktioniert die Umsetzung in der Praxis?

Für Unternehmen, die GPAI entwickeln oder bereitstellen, lassen sich Codes of Practice meist als Checkliste und Operating Model nutzen. Typische Schritte sind:

  • 1) Scope festlegen: Gilt der Code für ein Basismodell, mehrere Modellvarianten oder auch für Fine-Tunes? (siehe Fine-Tuning).
  • 2) Controls ableiten: Aus Leitlinien werden konkrete Kontrollen (z. B. Security Reviews, Eval-Gates, Release-Freigaben).
  • 3) Nachweise erzeugen: Dokumentation, Tests und Protokolle (z. B. Evals, Red-Team-Berichte, Change-Logs) werden standardisiert abgelegt.
  • 4) Betrieb absichern: Monitoring, Incident Handling, Updates und Post-Market-Prozesse (siehe EU AI Act: Post-Market Monitoring).
  • 5) Kommunikation: Klare Informationen für Downstream-Provider und Kunden (z. B. Model Cards, Nutzungsgrenzen).

Warum sind Codes of Practice wichtig?

Sie reduzieren Interpretationsspielräume und beschleunigen Compliance-Programme: Statt jedes Detail selbst zu „erfinden“, können Organisationen auf anerkannte Best Practices zurückgreifen. Das ist besonders relevant für dynamische Systeme wie AI Agents (KI-Agenten), Tool-Use/Function Calling / Tool Use oder RAG-Setups (siehe RAG (Retrieval-Augmented Generation)), bei denen Risiken aus Modell, Daten, Tools und Workflows zusammenspielen.

Beispiele (typische Inhalte)

Wichtig: Codes of Practice sind keine automatische „Freikarte“. Sie sind ein praxisnaher Weg, Pflichten konsistent umzusetzen und nachzuweisen – die rechtliche Verantwortung bleibt jedoch beim jeweiligen Anbieter/Betreiber im Sinne des EU AI Act.