EU-US Data Privacy Framework (DPF) & KI
Das EU-US Data Privacy Framework (DPF) ist ein Rechtsrahmen, der unter bestimmten Bedingungen Datentransfers aus der EU in die USA erlaubt – und wird besonders relevant, wenn du US-basierte KI-Tools (z. B. Chatbots, APIs oder Automations) nutzt. Für Unternehmen ist das DPF oft ein zentraler Baustein, um die Anforderungen der Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI bei der Nutzung von KI-Diensten aus den USA zu erfüllen.
Was ist das EU-US Data Privacy Framework (DPF)?
Das DPF ist ein Angemessenheitsrahmen (Adequacy Framework) zwischen der EU und den USA. Es soll sicherstellen, dass personenbezogene Daten aus der EU in den USA ein „im Wesentlichen gleichwertiges“ Schutzniveau erhalten. Praktisch bedeutet das: Wenn ein US-Unternehmen unter dem DPF zertifiziert ist, können EU-Unternehmen Datenübermittlungen an dieses Unternehmen in vielen Fällen auf eine einfachere Rechtsgrundlage stützen als rein über Standardvertragsklauseln.
Was bedeutet das für KI-Tools wie ChatGPT oder LLM-APIs?
Sobald du ein KI-Tool nutzt, bei dem personenbezogene Daten (z. B. Kundendaten, Mitarbeiterdaten, Support-Tickets, CRM-Auszüge) an einen US-Anbieter übertragen werden, ist das ein Drittlandtransfer. Das betrifft u. a.:
- Prompts und Chat-Verläufe in Chatbots (z. B. bei ChatGPT-ähnlichen Tools)
- Dokumente, die für RAG (Retrieval-Augmented Generation) hochgeladen oder indiziert werden
- Texte, aus denen Embeddings erzeugt und ggf. extern gespeichert werden
- Automations mit n8n oder Automatisierung (Automation), die Daten an US-APIs senden
Wichtig: Auch wenn du „nur“ ein Large Language Model (LLM) per API ansteuerst, kann bereits der Prompt personenbezogene Daten enthalten – absichtlich oder unabsichtlich.
Wie funktioniert das DPF in der Praxis? (Kurzprozess)
- 1) Anbieter prüfen: Ist der US-Dienstleister DPF-zertifiziert (und gilt die Zertifizierung für den konkreten Service)?
- 2) Datenflüsse verstehen: Welche Daten sendest du? Prompt, Files, Logs, Telemetrie, Support-Daten?
- 3) Zweck & Minimierung: Nur notwendige Daten übertragen; PII vermeiden oder vorab schwärzen (z. B. PII Redaction (PII-Schwärzung)).
- 4) Vertrag & TOMs: Auftragsverarbeitung, technische/organisatorische Maßnahmen, Löschfristen, Zugriffskontrollen.
- 5) Risikoabsicherung: Je nach Use Case zusätzliche Maßnahmen (z. B. Verschlüsselung, DLP, interne Policies, ggf. Transfer Impact Assessment).
Warum ist das DPF bei KI besonders wichtig?
KI-Workflows sind oft datenintensiv und schwerer zu überblicken als klassische SaaS-Nutzung: Prompts werden geloggt, Outputs können personenbezogene Informationen enthalten, und Agenten-Setups (z. B. AI Agents (KI-Agenten) mit Function Calling / Tool Use) greifen auf interne Systeme zu. Das erhöht das Risiko unbeabsichtigter Datenabflüsse und macht Governance wichtiger – inkl. AI Governance und klaren Regeln zur Datennutzung.
Beispiel aus der Praxis
Ein Support-Team automatisiert Ticket-Zusammenfassungen: Tickets enthalten Namen, Bestellnummern und ggf. sensible Inhalte. Werden diese Tickets an eine US-LLM-API gesendet, ist das ein Drittlandtransfer. Mit DPF-zertifiziertem Anbieter kann die Rechtsgrundlage einfacher sein – trotzdem solltest du PII vorab entfernen, Logging begrenzen und Aufbewahrungsfristen definieren.
Wichtiger Hinweis
Das DPF ist kein „Freifahrtschein“: Du brauchst weiterhin DSGVO-konforme Verarbeitung (Rechtsgrundlage, Transparenz, Datensparsamkeit, Sicherheit). Außerdem können sich rechtliche Bewertungen ändern; bei kritischen Use Cases sind zusätzliche Schutzmaßnahmen und juristische Prüfung sinnvoll.