Inference-Time Compute (Testzeit-Rechenbudget)
Inference-Time Compute (Testzeit-Rechenbudget) bezeichnet das zusätzliche Rechenbudget, das ein KI-Modell während der Antwortgenerierung (also zur Laufzeit) nutzt, um die Qualität, Zuverlässigkeit oder Sicherheit seiner Ausgabe zu erhöhen – z. B. durch Mehrfach-Sampling, Selbstprüfung oder längeres „Nachdenken“ vor der finalen Antwort. Im Gegensatz zum Training wird hier nicht das Modell gelernt, sondern die Inferenz gezielt „aufwendiger“ gemacht.
Was bedeutet Inference-Time Compute?
Wörtlich heißt es „Rechenaufwand zur Inferenzzeit“. Gemeint ist: Wie viel Zeit, Tokens, Parallelität und Tool-Nutzung du einem Modell in der Inference erlaubst, bevor es antwortet. Mehr Budget kann bessere Antworten liefern – kostet aber mehr Latenz und Geld.
Wie funktioniert Inference-Time Compute?
- 1) Mehr Kandidaten erzeugen (Mehrfach-Sampling): Das Modell generiert mehrere Antwortvarianten mit unterschiedlichen Zufallsanteilen (z. B. Temperature) und wählt die beste aus.
- 2) Bewerten und auswählen (Reranking/Scoring): Eine Heuristik, ein zweites Modell oder ein „Judge“-Prompt bewertet die Kandidaten nach Kriterien wie Korrektheit, Stil oder Policy-Compliance.
- 3) Selbstprüfung: Das Modell prüft seine eigene Antwort (z. B. „Finde mögliche Fehler/Unsicherheiten“) und korrigiert sie.
- 4) Tool- und Datenzugriff: Über Function Calling / Tool Use werden z. B. Rechner, Datenbanken oder Web-/API-Abfragen genutzt. In Kombination mit RAG (Retrieval-Augmented Generation) kann das Modell relevante Quellen nachladen, statt zu raten.
- 5) Längere Reasoning-Phasen: Du erlaubst mehr Tokens/Schritte, damit komplexe Aufgaben (Planung, Code, Analyse) sauberer gelöst werden.
Warum ist das wichtig?
Inference-Time Compute ist ein zentraler Hebel, um Qualität zu steigern, ohne das Modell neu zu trainieren oder per Fine-Tuning bzw. LoRA anzupassen. Gerade bei Large Language Model (LLM)-Anwendungen wie ChatGPT oder AI Agents (KI-Agenten) kann zusätzliches Testzeit-Budget helfen, Halluzinationen zu reduzieren, konsistentere Antworten zu liefern und komplexe Workflows robuster zu machen.
Beispiele aus der Praxis (LLM, Automation, Agents)
- Kundenservice: Statt einer Antwort werden 5 Varianten generiert, nach „hilfreich + korrekt + freundlich“ bewertet und die beste ausgegeben.
- RAG-Chatbot: Erst Retrieval aus Vektordatenbank (Vector Database) via Embeddings, dann Antwort – bei Unsicherheit wird ein zweiter Retrieval-Durchlauf gestartet.
- Agenten-Workflows: Ein Agent plant erst (mehr Tokens), ruft dann Tools auf (z. B. CRM, Kalender), und validiert das Ergebnis in einer zweiten Runde.
- n8n-Automation: In n8n kann man bei kritischen Schritten (z. B. Vertragszusammenfassung) ein „Double-Check“-Node einbauen, der eine zweite Modellantwort erzeugt und Abweichungen markiert.
Trade-offs: Kosten, Latenz und Governance
Mehr Inference-Time Compute bedeutet meist mehr Tokens, mehr API-Calls und höhere Latenz. Das ist relevant für Budgetplanung, UX und Skalierung (siehe MLOps). Außerdem sollten bei Tool-Nutzung und Retrieval Themen wie Datenschutz (DSGVO/GDPR) & KI sowie AI Governance beachtet werden – insbesondere, wenn externe APIs oder personenbezogene Daten involviert sind.
Was kostet Inference-Time Compute?
Die Kosten hängen vor allem von (1) Tokenverbrauch, (2) Anzahl der Samples/Calls, (3) eingesetzten Modellen (z. B. „Judge“-Modell) und (4) Tool-/Retrieval-Aufrufen ab. Praktisch gilt: 2× Sampling kostet grob ~2× Inferenz, 5× Sampling entsprechend mehr – dafür steigt oft die Antwortqualität. Viele Teams nutzen daher dynamische Budgets: „mehr Compute nur bei schwierigen Fällen“.